Mittwoch, 4. April 2007
Wie bereits am 31. Januar berichtet, erschien in der Zeit eine 7-teilige Serie “über Fluch und Segen der Weltreligionen - und weshalb sie Menschen bis heute faszinieren”. Einige der Artikel sind online verfügbar - einschließlich Überblicksseite.
“Weltreligion(en)”
Die unreflektierte Nutzung des leider immer noch gerne genutzten Terminus “Weltreligionen” ließ bereits im Vorfeld Schlimmes ahnen - und die Ahnung wurde auch teilweise bestätigt, was ich bei einer renommierten und ansonsten kritischen und durchaus kompetent recherchierenden Zeitung wie der Zeit für äußerst bedauerlich halte. Allerdings finden sich auch einige (wenige) sehr gute Artikel, die die redaktionellen Fehlgriffe wieder etwas relativieren.
Religiöse Experten?
Generell läßt sich feststellen: Religionswissenschaftler oder Hinweise auf eben solche sind äußerst selten zu finden. “Experten” für die jeweiligen Religionen kommen ebenfalls nur sehr sparsam zu Wort. Das muss nicht per se schlimm sein, rächt sich jedoch des öfteren bei den eher krude zusammengefassten Überblicksartikeln zu den behandelten Religionen Christentum (08.02.), Judentum (15.02.), Buddhismus (22.02.),
Konfuzianismus (01.03.), Hinduismus (08.03.), Islam (15.03.) und “Unglaube” (22.03.), die den zweifelhaften Charme von esoterisch angehauchter Populärliteratur verströmen. Weiterlesen?
Montag, 2. April 2007

Wir haben es tatsächlich geschafft! Gestern abend kam die E-Mail vom Programm-Kommittee der Konferenz Internet Research 8.0: Let´s Play, die von der Association of Internet Researchers (AOIR) vom 17. bis 20. Oktober diesen Jahres in Vancouver, Kanada ausgerichtet wird! - *Die* internationale Tagung, wenn es um inter- bzw. multidisziplinäre Internet-Forschung geht! Und N. und ich sind dabei!!!
Hier lassen sich bereits alle Paper abrufen, die bislang zugelassen sind und das sind unsere:
Ich bin ja sooo gespannt!
Donnerstag, 15. März 2007
Was haben konservative US-amerikanische Christen mit der Klimaerwärmung am Hut? Nichts. Genau. Nach einem Telepolis-Artikel vom 06. März sehen sie in der derzeitigen Klima-Diskussion nur “eine linke Ablenkung von den wichtigen Themen”. Trotzdem ist da in letzter Zeit so einiges in Bewegung geraten weiß Florian Rötzer in seinem Artikel “Gott und die Klimaerwärmung”:
Fundamentalistische Christen in den USA zeichnen sich auch dadurch aus, dass für sie Klimaerwärmung keine wirkliche Bedrohung darstellt. Gott hat die Welt und das Leben in ihr bis hin zum Menschen mehr oder weniger vollendet geschaffen, weswegen größere evolutionäre Veränderungen oder katastrophale Zufälle im Plan der göttlichen Vorhersehung keine Rolle spielen. Es wäre schon ein Frevel aus dieser Sicht, wenn man es für möglich hält, dass Gott die für den Menschen geschaffene Welt durch deren eigene Aktivitäten über eine Klimaerwärmung gefährden lassen könnte. Also haben in der gegenwärtigen Aufregung nach dem UN-Klimabericht mehrere konservative christliche Gruppen einen Brief an ihre Kollegen von der National Association of Evangelicals (NAE) geschickt, um diese aufzufordern, nicht mehr über die Klimaerwärmung die eigentlich wichtigen christlichen Themen zu verdrängen.
Es ist ja allgemein bekannt: Das Kyoto-Protokoll spielt in den USA nicht wirklich eine Rolle. Der Präsident selbst hat gewisse Berührungspunkte :) mit dem erwähnten christlich-konservativen Kreisen und ein Viertel aller Treibhausgase wird jenseits des großen Teichs produziert (wie die Business Week kürzlich veröffentlichte).
ABER: Seit kurzem gibt es die Evangelical Climate Initiative (so Telepolis), die die Klimaprobleme als Menschenwerk ernst nimmt und zum Handeln aufruft. Weiterlesen?
Mittwoch, 31. Januar 2007
Die Zeit widmet ab Anfang Februar “den Weltreligionen” eine 7-teiligen Serie.
Unter dem Titel „Was soll ich glauben?“ geht DIE ZEIT dem Phänomen der großen Weltreligionen nach. In Interviews, Hintergrundberichten und Analysen beschäftigen sich ZEIT-Autoren ausführlich mit der Faszination des Glaubens, der wachsenden Bedeutung von Religionen und dem Wiedererwachen religiöser Symbolik - ohne dabei jedoch die Schattenseiten zu ignorieren.
Ah ja …
Zwar ist der Terminus “Weltreligionen” bekanntermaßen problematisch (und dessen Benutzung lässt Schlimmes ahnen), aber lohnenswert ist die Lektüre der angekündigten Themenschwerpunkte sicherlich trotzdem. (Und sei es als abschreckendes Beispiel!)
Hier die Themen im Überblick:
8. Februar - Christentum
15. Februar - Judentum
22. Februar - Buddhismus
1. März - Konfuzianismus
8. März - Hinduismus
15. März - Islam
22. März - Atheismus
Mal gespannt, wieviele Religionswissenschaftler zu Wort kommen …
Donnerstag, 28. Dezember 2006
Liegt es an Weihnachten? Dass ich über Rituale nachdenke? Oder bin ich nur überarbeitet??? Eine Überdosis SFB kurz vor dem Fest?
Zeit Wissen (siehe gestriges Posting) jedenfalls schreibt:
“Das Schöne an den Ritualen ist, dass man nicht an sie glauben muss”, sagt der Indologe Axel Michaels, Sprecher des Sonderforschungsbereichs Ritualdynamik an der Universität Heidelberg, “man muss sie einfach nur machen.”
Na, wie schön!

Dann kann ich mich ja beruhigt und ohne schlechtes Gewissen wieder dem Fress-Stupor unterm Weihnachtsbaum hingeben! Ohne darüber nachdenken zu müssen, wie unwahrscheinlich es ist, dass heute vor rund 2000 Jahren ein kleiner vaterlos gezeugter Schreihals in einer Futterkrippe liegt, der angetreten ist, die Welt zu retten …
Ich muss weihnachtlich sein. Ist eins von vielen Ritualen, die die Gesellschaft zusammenkittet. Weiss die Zeit, die übrigens auch eine nette Bilderserie zum Thema hat. Ich tue also gewissermaßen meine gesellschaftliche Pflicht. Gut zu wissen!
Mittwoch, 27. Dezember 2006
Jetzt hat es auch die Zeit entdeckt:
“Küsse zur Begrüßung, Reime am Esstisch, die Einstandsfeier für den neuen Kollegen: Unser Alltag steckt voller Rituale. Ohne sie funktionieren Gesellschaften nicht, sagen Anthropologen.”
Entsprechend gibt es in der Zeitschrift Zeit Wissen 06/2006 unter der Überschrift “Piep, Piep, Piep - Guten Appetit” (Wie geistreich! *seufz*) einen Artikel zum Thema, in dem unter anderem der Berliner Sonderforschungsbereich “Kulturen des Performativen” und Heidelberger Sonderforschungsbereich “Ritualdynamik” erwähnt werden.
Schade! Unser Internetprojekt war den Autoren wohl nicht interessant genug! (Oder doch zu abgespact?!) Erwähnt wird allerdings das medizinpsychologische Projekt “Ritualdynamik und Salutogenese beim Gebrauch psychoaktiver Substanzen”.
Na, immerhin!
Dienstag, 14. November 2006
Zwar ist es derzeit v.a. der Dokumentarfilm “Jesus Camp”, der Wellen schlägt - doch auch anderswo wird zu evangelikalen Jugendbewegungen geforscht und geschrieben.
Nur ein weiteres Beispiel, was Telepolis in seinem Artikel “Christliche Fanatiker auf dem Vormarsch” thematisiert, ist das Buch “Righteous. Dispatches from the Evangelical Youth Movement“ (New York, 2006) der US-Journalistin Lauren Sandler.
Auch sie glaubt, dass es die neuen Evangelikalen eine fundamental-christliche Revolution in den USA wollen, sie ergänzt aber das Bild von Becky Fischer und ihrer Armee aus jugendlichen Gotteskriegern um eine weitere Facette. Nicht nur die Militanz und die Jugendlichkeit der Bewegung machen sie sprachlos, sondern auch die subkulturelle Variationsbreite, in der sie auftritt.
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Donnerstag, 9. November 2006
Nachdem wir bis Sonntag mit unserer Tagung alle Hände voll zu tun haben werden, gibt´s bis dahin keine weiteren Einträge hier in Blog. Vermutlich haben wir uns Sonntag mittag sowieso alle in Zombies mit Schlafentzug verwandelt …
“Zu Ehren” der Tagung hier noch ein kleiner Cartoon, den ich mit der Formel “Denken macht Durst” zusammenfassen würde …. Das Bildchen stammt zwar aus einem anderen Kontext, passt aber trotzdem (oder sollte ich - in Einstimmung auf den Tagungs-Talk - eher: “ist multikontextuell einsetzbar” sagen?)

Gut, OK: in unserem Fall statt “Bier” wohl eher “Sekt” … Aber im Prinzip stimmt´s so!
Samstag, 4. November 2006
Am 15. September lief in den USA ein Dokumentarfilm über die Erweckungspredigerin Becky Fischer und ihre Kirche an, der auch hierzulande für einigen Wirbel in der Presse gesorgt hat. “Jesus Camp” nimmt Fischer und das von ihr geleitete Kinderferienlager “Kids on Fire” in den Blick. - Und zwar (nach eigenen Angaben) vor und hinter den Kulissen.

Becky Fischer stammt aus North Dakota und gehört der Pfingstbewegung an, arbeitet seit 1991 Jahre als Jugendpredigerin und gründete schließlich “Kids in Ministry International” (“Redefining Children´s Ministry in the 21st Century”) mit dem Ziel, Jugendlich zum Glauben zu bekehren - und zu “spiritual warfare” . Weiterlesen?
Donnerstag, 26. Oktober 2006
… die “Bibel in gerechter Sprache” ist da!
Fünf Jahre lang arbeiteten 42 Frauen und 10 Männern daran, die Bibel “weiblicher” und “jüdischer” zu machen, so berichtet die Online-Ausgabe des Spiegel vom 25. Oktober. Das Werk erschien kürzlich im Gütersloher Verlagshaus (und mir ist auch so, als hätte ich kürzlich einen Werbeflyer dafür in der Hand gehabt). Dort gibt es auch einen Zusatzband, der die Grundlagen der Neuübersetzung klärt.
Die Frage, ob die Bibel durch die Neuübersetzung und -interpretation auch (sozial- und kulturhistorisch) “korrekter” wird, beantwortet die Mitherausgeberin Claudia Janssen, PD und theologische Referentin der Evangelischen Frauenarbeit in Frankfurt, wie folgt:
Wir haben die historische Beweislast umgekehrt. Wir schreiben nur an den Stellen die maskuline Form, an denen definitiv beweisbar ist, dass Frauen nicht anwesend waren. Frauen waren damals in allen Bereichen der Gesellschaft vertreten, wie sozialgeschichtliche Zeugnisse zeigen. In alten Kaufverträgen zum Beispiel tauchen immer wieder Handwerkerinnen auf. 95 Prozent der Gesellschaft waren schlichtweg zu arm, um eine Rollenverteilung zu leben, in der die Frau aufs Private reduziert wurde. Wir dürfen uns da nicht von Cicero und anderer Literatur der antiken Oberschicht täuschen lassen.
Aha. Weiterlesen?