Mittwoch, 11. Juni 2008
Vom Standpunkt der religionswissenschaftlichen Lehre aus gesehen, wäre es nett gewesen: Die Schweizer Aktiengesellschaft Genesis Land plane im Jahr 2011 einen kreationistischen Themenpark, verlautbarte Telepolis vom 02.06.2008. Als mögliche Standorte kämen Berlin oder der Rhein/Main/Neckar-Raum mit Fokus Heidelberg in betracht. - (Auch) der US-Amerikanischen Touristen wegen.
Ziel des rund 40 Hektar großen Parks sei es - so Telepolis weiter
„die biblische Geschichte und Botschaft in einer modernen und erlebnisreichen Art“ zu vermitteln. Gezeigt werde zum „hautnahen“ Miterleben die „wunderbarste und fantastischste Liebesgeschichte aller Zeiten“, damit die Menschen „die frohe Botschaft verstehen und auch annehmen“.
Neben der Arche Noah in “Originalgröße” (LxBxH - 150×25x15m), Dinosauriern (zu groß für die Arche und deshalb ausgestorben[?]), einer Sintflut-Simulation (mit echtem Wasser?) und dem Turm von Babel (mit Restaurant) sollte es jede Menge Fahrgeschäfte geben. Denn neben der didaktischen Funktion sollte der Park ähnlich viel und ebenso schnell Rendite abwerfen wie vergleichbare Projekte in den USA, beispielsweise das Creation Musem oder das Lost World Museum (>>om sein<< berichtete).

Besonders interessant am Gesamtkonzept: Laut der Webseite der Planer wollte man nicht nur die Schöpfung bis zur Jetztzeit thematisieren, sondern die gesamte Weltgeschichte bis zur “Endzeit und zur Vollendung, der Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde”. (Hat da etwa jemand zu tief in die Kristallkugel geguckt?) Weiterlesen?
Dienstag, 8. Mai 2007
Stephen Prothero, *der* US-amerikanische Religionswissenschaftler mit der (vermutlich) größten Medienpräsenz hat es wieder getan! Nach “American Jesus: How the Son of God Became a National Icon” und “A Nation of Religions: The Politics of Pluralism in Multireligious America ” erschien im März diesen Jahres sein neuestes Buch und bislang größter publizistischer Erfolg “Religious Literacy: What Every American Needs to Know–And Doesn’t “, das er medienwirksam zu vermarkten versteht.
Der Leiter des Religionswissenschaftlichen Lehrstuhls der Boston University bezeichnet seine Landsleute (laut einem nicht unkritischen Artikel der NZZ vom 1. April) als “religiöse Analphabeten” und beklagt, dass sich zwar rund 90% der US-Bürger als (christlich?) religiös bezeichnen, jedoch kaum mit der Bibel (oder anderen Religionen) vertraut seien und deshalb in seinem Land “Glaube ohne Wissen” vorherrsche. Weiterlesen?
Donnerstag, 26. April 2007
Wir erinnern uns an die Banane, die Gottes Existenz und Schöpfung beweisen sollte? (Blog-Beitrag vom 4. August 2006.)
Der Wahnsinn geht weiter! Diesmal soll ein Glas Erdnuss-Butter (bzw. die Tatsache, dass aus einem verschlossenen Glas des Brotaufstrichs aus eigener Kraft kein Leben entsteht) beweisen, dass Gottes Schöfpung der einzig richtige, und Darwins Evolutionstheorie der falsche Erklärungsansatz für die Enstehung des Lebens darstellt.
Ganz im Gegenteil, sollten wir uns über diese Tatsache freuen: “The whole food industry depends on the fact, that evolution doesn´t happen!” (Denn wenn schon neues Leben entsteht, dann bitte schön NICHT in MEINEM neugekauften und noch ungeöffneten Glas Erdnussbutter! Igitt!)
Und wiederum: DAS GANZE IST *KEIN* SCHERZ sondern die (verschrobene) Theorie des christlich-konservativen Predigers und Gründers des Koinonia Institute und der Lousiana Baptist University Chuck Missler! Halleluja!
Ein Kommentar zu diesem Video fasst die Argumentationskette der Protagonisten aufs Schönste zusammen: “Chuck Missler takes the misunderstanding of evolution to a whole new level”.
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Freitag, 6. April 2007
Passend zum Karfreitag: In den USA sorgt eine lebensgroße Christus-Figur aus (Achtung!) Schokolade in Kreuzigungs-Pose für einen Eklat unter Christen: Insbesondere die “Katholische Liga” fühle sich - so Spiegel Online vom 30. März - von der golgathanischen Schoko-Figur angegriffen. Der Vorsitzender Bill Donnahue spricht von “einer der schlimmsten Verletzungen christlicher Gefühle, die es je gegeben hat”.
Er kritisierte vor allem, dass “My Sweet Lord”, wie die Schokoladenfigur genannt wird, ausgerechnet in der Karwoche und über Ostern in der Galerie des Hotels (gemeint ist das Roger Smith Hotel in New York, d. Bl.) gezeigt werde. “Die Tatsache, dass genau die Karwoche gewählt wurde, zeigt, dass das kalkuliert und absichtlich ist”, sagte Donohue, dessen Gruppe 350.000 Katholiken in den USA repräsentiert. Er rief zu einem wirtschaftlichen Boykott des Hotels auf. Moralisch sei das Hotel schon ruiniert.
Zwar wiegelte das Hotel die Kritik ab, sprach vom Zeitpunkt der Ausstellung kurz vor Ostern von einem “unglücklichen Zufall” und verglich die heftige Reaktion der Gläubigen mit einer “christlichen Fatwa” (so Spiegel Online), dennoch wurde (so die Website des Post Chronicle, ebenfalls vom 30.3.) das Exponat aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle der protestierenden Christen nun wieder abgenommen. Weiterlesen?
Donnerstag, 15. März 2007
Was haben konservative US-amerikanische Christen mit der Klimaerwärmung am Hut? Nichts. Genau. Nach einem Telepolis-Artikel vom 06. März sehen sie in der derzeitigen Klima-Diskussion nur “eine linke Ablenkung von den wichtigen Themen”. Trotzdem ist da in letzter Zeit so einiges in Bewegung geraten weiß Florian Rötzer in seinem Artikel “Gott und die Klimaerwärmung”:
Fundamentalistische Christen in den USA zeichnen sich auch dadurch aus, dass für sie Klimaerwärmung keine wirkliche Bedrohung darstellt. Gott hat die Welt und das Leben in ihr bis hin zum Menschen mehr oder weniger vollendet geschaffen, weswegen größere evolutionäre Veränderungen oder katastrophale Zufälle im Plan der göttlichen Vorhersehung keine Rolle spielen. Es wäre schon ein Frevel aus dieser Sicht, wenn man es für möglich hält, dass Gott die für den Menschen geschaffene Welt durch deren eigene Aktivitäten über eine Klimaerwärmung gefährden lassen könnte. Also haben in der gegenwärtigen Aufregung nach dem UN-Klimabericht mehrere konservative christliche Gruppen einen Brief an ihre Kollegen von der National Association of Evangelicals (NAE) geschickt, um diese aufzufordern, nicht mehr über die Klimaerwärmung die eigentlich wichtigen christlichen Themen zu verdrängen.
Es ist ja allgemein bekannt: Das Kyoto-Protokoll spielt in den USA nicht wirklich eine Rolle. Der Präsident selbst hat gewisse Berührungspunkte :) mit dem erwähnten christlich-konservativen Kreisen und ein Viertel aller Treibhausgase wird jenseits des großen Teichs produziert (wie die Business Week kürzlich veröffentlichte).
ABER: Seit kurzem gibt es die Evangelical Climate Initiative (so Telepolis), die die Klimaprobleme als Menschenwerk ernst nimmt und zum Handeln aufruft. Weiterlesen?
Dienstag, 6. März 2007
Telepolis berichtet in einem Artikel vom 02. März von Conservapedia, einer “christlich-konservativen Alternative zu Wikipedia”.
Hierbei handelt es sich um einen weiteren, thematisch jedoch klar fokusssierten (“educational, clean and concise”) Klon des Nachschlagewerks Wikipedia, das ja bekanntermaßen trotz aller Kritik enorm erfolgreich ist. Offenbar finden konservative US-amerikanische Christen die allgemeine Wikipedia-Version zu liberal, zu linkslastig, vor allem aber antichristlich und antiamerikanisch, so Telepolis. Dies führte im November 2006 zur Gründung einer eigenen christlich-konservativem Version durch den Juristen Andy Schlafly, der unter anderem auch die Eagle Forum “University” leitet.
Wie unterscheidet sich Conservapedia nun jedoch von seinem kritisierten allzu “liberalen” Konterpart? Weiterlesen?
Mittwoch, 24. Januar 2007
Nachricht im Weblog der “Church of the Flying Spaghetti Monster”: Die Packung der US-amerikanischen Version saurer Spaghetthi zeigt eindeutig das Spaghetti-Monster!(?)
Ist die Firma etwa eine heimliche Keimzelle der “Pastafarians”? Oder soll das Bild eine subtile Kritik sein …?!
Is the company using the FSM as sort of a celebrity spokesman for their product, or is it a subtle anti-pastafarian message? What I mean is, how many products do you see with an illustration of Jesus being impaled by a fork?
Fragen über Fragen …! :)
Mittwoch, 13. Dezember 2006
OK. Es ist böse. Bitterböse. Und diskriminierend. Aber auch witzig irgendwie …
Even Stevphen in der US-amerikanischen Daily Show über Trennendes und Gemeinsames von Christentum und Islam. Mit ausschließlich rationalen Argumenten, wie diesem:
“If you were god, would you manifest your divine glory to a shepard in a cave in Saudi Arabia in the 7th century or as a son of a carpenter in a manger in Judea in the year zero? Come on, use your mind …!”
Über die Gemeinsamkeiten breiten wir lieber den Mantel des Schweigens …
Dienstag, 14. November 2006
Zwar ist es derzeit v.a. der Dokumentarfilm “Jesus Camp”, der Wellen schlägt - doch auch anderswo wird zu evangelikalen Jugendbewegungen geforscht und geschrieben.
Nur ein weiteres Beispiel, was Telepolis in seinem Artikel “Christliche Fanatiker auf dem Vormarsch” thematisiert, ist das Buch “Righteous. Dispatches from the Evangelical Youth Movement“ (New York, 2006) der US-Journalistin Lauren Sandler.
Auch sie glaubt, dass es die neuen Evangelikalen eine fundamental-christliche Revolution in den USA wollen, sie ergänzt aber das Bild von Becky Fischer und ihrer Armee aus jugendlichen Gotteskriegern um eine weitere Facette. Nicht nur die Militanz und die Jugendlichkeit der Bewegung machen sie sprachlos, sondern auch die subkulturelle Variationsbreite, in der sie auftritt.
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Samstag, 4. November 2006
Am 15. September lief in den USA ein Dokumentarfilm über die Erweckungspredigerin Becky Fischer und ihre Kirche an, der auch hierzulande für einigen Wirbel in der Presse gesorgt hat. “Jesus Camp” nimmt Fischer und das von ihr geleitete Kinderferienlager “Kids on Fire” in den Blick. - Und zwar (nach eigenen Angaben) vor und hinter den Kulissen.

Becky Fischer stammt aus North Dakota und gehört der Pfingstbewegung an, arbeitet seit 1991 Jahre als Jugendpredigerin und gründete schließlich “Kids in Ministry International” (“Redefining Children´s Ministry in the 21st Century”) mit dem Ziel, Jugendlich zum Glauben zu bekehren - und zu “spiritual warfare” . Weiterlesen?