Freitag, 13. Juni 2008
Gerade bin ich im Centre Valpré in Lyon angekommen, wo dieses Jahr die 13. European Christian Internet Conference (ECIC) stattfindet, die dieses Jahr unter dem Motto “Challenge 2.0 - Church Communication and Social Networking” steht.

Auf der Webseite heißt es:
Web 2.0 is shorthand for the Internet having become a social network that is characterised by user generated content, mash-ups and broad-band multimedia applications. Social networks emerge in this environment and change communication. The distribution of content can no longer be controlled, institutions dissolve into networks. In order to communicate effectively the Good News the Church will need to adapt its communication strategy. This Conference will explore this Challenge and analyse what Web 2.0 means for the Christian Church and Christian Communication.
Da sich das Thema sehr mit meinen Forschungsinteressen überschneidet und es sehr interessant sein dürfte, mit Kirchenvertretern über die neuen technischen Entwicklungen in und um das sog. “Cyberspace” zu unterhalten, hat Ralf Peter Reiman von der EKD netterweise noch kurzfristig meine Teilnahme möglich gemacht. Die Tagung “Kirche im Web 2.0. Entwickelt Internet Kirche” Anfang April in der katholischen Akademie Franz Hitze Haus habe ich ja bedauerlicherweise verpasst …
Morgen werde ich unter dem Titel “Following Jesus into Virtual Space? Web 2.0 and Social Software as Generators of new Christian Communities of Practice” meine aktuelle Forschung zu Religionen im Internet, inbesondere der kuturellen / religiösen (Um-)Deutung moderner Internet-Anwendungen im Bereich christlicher Religiosität vorstellen. Die Diskussionen mit den auf der ECIC anwesenden Kirchenvertretern aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Denominationen werden bestimmt sehr spannend!
Donnerstag, 8. Mai 2008
Gestern war nun also die Gründungsversammlung des Vereins Arbeitsgemeinschaft Social Media (AG SM) in München, auf dem die Satzung verabschiedet und ein Vorstand gewählt wurde. Ein Eintrag ins Vereinsregister wird die ganze Sache dann offiziell machen. Dann kann es losgehen!
Ich persönlich wünsche mir von so einem Verein die Möglichkeit einer noch engeren Vernetzung mit Wissenschaftlern, die im Bereich “Social Software” / “Web 2.0″ forschen. - Die meisten bisherigen Begegnungen verdanke ich dem Zufall. Und das ist nicht gut!
Interessant wird die Doppelrolle der AG SM als Forschungsverband einerseits und Interessenvertretung andererseits. Ich bin gespannt, ob und wie dieser Spagat gelingt und welche forschungsethischen Fragen sich aus dieser Verbindung ergeben. Mein subjektiver Eindruck war, dass zum mindesten gestern der Anteil der “Wirtschaft” den der “Forschung” weit überstieg. - Aber das muss ja nichts heißen.
Wünschenswert fände ich eine Arbeitsgruppe für qualitative Blog-Forschung. Und die Förderung des wissenschaftlichen Bloggens bzw. dessen Akzeptanz in der akademischen Welt. Vielleicht ist ja auch eine Vernetzung mit dem REMID-Arbeitskreis Religionswissenschaft online möglich?
Ich bin gespannt, wie es weitergeht! (Und wann die erste offizielle Mitgliederversammlung der AG SM stattfindet!)
[Update: Die erste Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, 28. Mai in Berlin statt. Es tut sich was!]
Samstag, 26. April 2008
Heimlich still und leise haben sie sich in meine Blogroll eingeschlichen, jetzt will ich sie endlich mal vorstellen. Es gibt nämlich tatsächlich noch weitere (mindestens zwei) bloggende Religionswissenschaftler im deutschsprachigen Raum! (Das heisst: Religionswissenschaftler, die über ihr Fachgebiet bloggen.)
Wer sind diese “Exoten”? Und warum bloggen sie? - Oder vielmehr: Warum tun die vielen anderen Religionswissenschaftler, die sicherlich an spannenden und für die Öffentlichkeit und die Fachwelt relevanten Themen arbeiten, dies nicht?

Fragen über Fragen … Weiterlesen?
Samstag, 19. April 2008
Auf der diesjährigen re:publica vom 2. bis 4. April in Berlin habe ich über die laufende Forschung zu Religionen im Internet am Institut für Religionswissenschaft der Universität Heidelberg gesprochen und einige Forschungsergebnisse und daraus resultierende theoretische Implikationen vorgestellt, die ich im Folgenden kurz paraphrasieren möchte. Die Ergebnisse sind die gemeinsame Arbeit einer Heidelberger Forschergruppe sowie Vorstudien zu meiner Dissertation. Die aufbereiteten Folien sowie eine vollständige Version des verschriftlichten Vortrags (einschließlich Fußnoten und bibliographischer Hinweise) gibt es hier als PDFs zum Download:
Im Internet, insbesondere im WWW, gibt es eine Vielzahl religiöser Homepages, die von Sammlungen religiöser Primärquellen (wie Online-Bibeln u.ä.) über individuelle religiöse Homepages, Webseiten religiöser Gruppen und Gemeinschaften bis hin zu Webpräsenzen religiöser Institutionen reichen. Bereits vor der Popularisierung des World Wide Web wurde das Internet benutzt, um sich über religiöse Themen auszutauschen, beispielsweise in Newsgroups und Diskussionsforen. Insbesondere dem WWW ist es jedoch zu verdanken, dass das, was man zuvor als “unsichtbare Religion” bezeichnete, nämlich persönliche religiöse Glaubensanschauungen jenseits (und oft im Widerspruch zu) theologisch-dogmatischer Lehrmeinungen, nun sichtbar und somit erforschbar wurde. Weiterlesen?
Dienstag, 8. April 2008
Dass das Internet mit seinen unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend unser Leben durchzieht, ist eine vielzitierte Binsenweisheit. Der Einfluss moderner Internettechnologie auf Tod und Trauerrituale ist jedoch vielleicht nicht ganz so bekannt. Dabei gibt es da Einiges und das z.T. schon recht lange!
So berichtete Spiegel Online im Dezember 2004 von pakistanischen Schiiten, die bereits seit 2001 per Webcam die Gräber ihrer Liebsten besuchen können. - Immer und von überall aus. Und offenbar mit dem Segen muslimischer Geistlicher. “Die Scharia erlaubt das Zitieren von Gebeten im Internet zur Freude der Seelen der Verstorbenen”, sagt der Geistliche Shabbar Hussain Zaidi (laut Spiegel Online).
“Internetfriedhöfe” (meist als statische Webseiten realisiert), mit deren Hilfe Hinterbliebene virtuelle Gedenkstätten errichten können, finden sich zur Genüge und in allen Formen und Farben (und technischem Niveau), wie eine Google-Suche nach dem Begriffspaar “Internet” und “Friedhof” deutlich zeigt.

Sogar die “Social Networking-Generation” hat mit MyDeathSpace und YourDeathSpace Pendants zu MySpace geschaffen, auf dem die Profile verblichener Nutzer gelistet werden. - Einschließlich Todestag und Todesursache sowie der Möglichkeit zum Kondolieren. Weiterlesen?
Dienstag, 25. März 2008
Nun hat es doch noch geklappt mit einem Vortrag auf der diesjährigen re:publica, die bereits vollständig ausverkauft ist (immerhin über 800 Tickets)!

Das freut mich insbesondere, da es eine ganz eigene Herausforderung ist, einmal vor einem Publikum zu sprechen, dem ich *nicht* erst erklären muss, was hinter dem Begriff “Web 2.0″ steckt, wie ein Weblog funktioniert und dass Second Life-Benutzer tatsächlich ganz normale Leute sind (bzw. sein können)!
Zugegeben: Mein Vortragstitel “Beten per Mausklick? Religion(en) und Rituale im Internetzeitalter” klingt ein bisschen lahm. Eigentlich sollte er heißen: “Religion 2.0. Beten per Mausklick?”, aber die Organisatoren wollten kein “2.0″ im Titel, was bei einer Tagung wie der re:publica, wo der Begriff sicherlich schnell inflationär zu werden droht, auch zu verstehen ist.
Dieses Jahr soll es um “die kritische Masse” gehen, die - wenn sie erreicht ist - ein Netzwerk zu einem Selbstläufer macht (sagt Wikipedia). Dies hat wiederum Auswirkungen auf soziale Netzwerke, auf das tägliche Leben und auf Wirtschaft und Politik, meint Johnny Haeusler von Spreeblick, einer der Organisatoren der re:publica.
Die “kritische Masse” hat jedoch auch massiven Einfluss auf die religiöse Landschaft offline und online und kann sogar den Wissenschaftsdiskurs um und über Religion(en) nachhaltig beeinflussen! Meine ich. Genau darum soll es in meinem Vortrag gehen. (Den ich hoffentlich nicht vor einem völlig leeren Saal werde halten müssen! Das Thema ist vergleichsweise doch ein bisschen “abgespaced”, fürchte ich …)
Ich selbst werde mir auf jeden Fall folgende Beiträge anhören: Das Paper von Julian Kücklich (“A Mass without Criticality. Virtual Worlds, Social Networks, and their Discontents”), den Vortrag von Jan Schmidt über den BILDblog und die Beiträge der Hard Bloggin’ Scientists unter der Leitung von Steffen Büffel zu “Lehren und Lernen 2.0″.