Donnerstag, 1. Mai 2008
Es ist ein bisschen Eigenwerbung: Gerade sehe ich, dass Vit Sisler, der an der Prager Karls-Universität zu Islamischem Recht im Cyberpace arbeitet, auf seiner Website Digital Islam drei Artikel online gestellt hat, die meine beiden Kolleginnen und ich anläßlich der Tagung Cyberspace in Brno (Tschechien) im Jahr 2006 als Paper eingereicht hatten und die 2007 im “Masaryk University Journal of Law and Technology” in Print erschienen.
Vit Sisler organisierte damals das noch *sehr* kleine Panel “Religious Norms in Cyberspace”. - Wir waren eine kleine Gruppe gegenüber einer Übermacht vor allem juristischer Beiträge. :)
Zwar hat keiner unserer drei Artikel etwas mit Islam zu tun, sondern sie bedienen sich thematisch vorwiegend bzw. in meinem Beitrag, der sich mit Ritualen der sog. “Emerging Church” befasst, dezidiert christlicher Quellen, aber alle unsere Aufsätze beschäftigen sich mit methodischen und methodologischen Fragen kultur- und religionswissenschaftlicher Internetforschung. - Ein Punkt, um den es auch bei Digital Islam geht.
Es handelt sich dabei im Einzelnen um folgende Aufsätze Weiterlesen?
Dienstag, 8. April 2008
Dass das Internet mit seinen unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend unser Leben durchzieht, ist eine vielzitierte Binsenweisheit. Der Einfluss moderner Internettechnologie auf Tod und Trauerrituale ist jedoch vielleicht nicht ganz so bekannt. Dabei gibt es da Einiges und das z.T. schon recht lange!
So berichtete Spiegel Online im Dezember 2004 von pakistanischen Schiiten, die bereits seit 2001 per Webcam die Gräber ihrer Liebsten besuchen können. - Immer und von überall aus. Und offenbar mit dem Segen muslimischer Geistlicher. “Die Scharia erlaubt das Zitieren von Gebeten im Internet zur Freude der Seelen der Verstorbenen”, sagt der Geistliche Shabbar Hussain Zaidi (laut Spiegel Online).
“Internetfriedhöfe” (meist als statische Webseiten realisiert), mit deren Hilfe Hinterbliebene virtuelle Gedenkstätten errichten können, finden sich zur Genüge und in allen Formen und Farben (und technischem Niveau), wie eine Google-Suche nach dem Begriffspaar “Internet” und “Friedhof” deutlich zeigt.

Sogar die “Social Networking-Generation” hat mit MyDeathSpace und YourDeathSpace Pendants zu MySpace geschaffen, auf dem die Profile verblichener Nutzer gelistet werden. - Einschließlich Todestag und Todesursache sowie der Möglichkeit zum Kondolieren. Weiterlesen?
Dienstag, 1. April 2008
Das Bild und die Meldung ging durch die gesamte Presse: Der Chihuahua “Conan” des buddhistischen Zen-Priesters Yoshikuni Joei im zenbuddhistischen Shuri Kannon-dô Tempel in Naha (Okinawa / Japan) ahmt sein Herrchen bei seinen täglichen Gebetsübungen nach, indem er sich auf die Hinterbeine aufrichtet und die Vorderpfoten zusammenlegt (hier ein Bild aus dem Guardian).
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Laut Presseberichten soll sich das Tier die Übung selbst beigebracht haben. Selbst gelernt oder antrainiert - der “betende Hund” hat es zu Berühmtheit gebracht und zieht Touristenströme an: Rund 30% mehr Menschen besuchen den Tempel , so Yoshikuni (laut France 24).
Kein Wunder: Ein Hund, der mit seinem Herrchen (scheinbar) unisono ins Gebet versunken ist, ist sicherlich ein ungewöhnlicher und interessanter Anblick!
Dieses Phänomen erinnert mich stark an einige Thesen der Religionswissenschaftlerin Inken Prohl zu japanischem Zen-Buddhismus und der Bedeutung von Religionsästhetik, die sie bei Vortrags im Rahmen einer Ringvorlesung des SFB Ritualdynamik im Januar 2005 in Heidelberg formulierte.* Weiterlesen?
Samstag, 28. April 2007
Second Life ist ja gerade Lieblingskind der Medien. Könnte man meinen. Nicht, dass die “Virtuelle Welt” (oder das “Metaverse”, wie man auch sagen kann) dabei besonders gut wegkäme! Weit gefehlt! Ein Gutteil der Berichterstattung dreht sich um Sex und Geld (in dieser Reihenfolge). Dann kommt ganz lange nichts mehr … Die Bedeutung von Second Life als Community-Plattform scheint bei den Medien im “first life” weitgehend unbekannt. Nun ja.
Seit einiger Zeit führt auch der Spiegel Online-Redakteur Christian Stöcker mit dem in-world Namen “Sponto” ein “Second Life-Tagebuch”. Und auch er beschränkte sich zunächst auf die medienwirksameren Sujets (siehe oben), hat aber offenbar auch einen Blick für andere Themen. Grund genug, ihn (bzw. sie) auf unser neues Forschungsprojekt zu Ritualen in Second Life anzusprechen und ihn einzuladen.
Tatsächlich war Sponto interessiert und wir hatten uns gestern zu einem Spaziergang durch die “religiöse Topographie” von SL verabredet. Mal gespannt, ob er/sie diesen Streifzug in einem seiner nächsten Artikel thematisiert. (Und wenn ja, wie!)

Der Screenshot zeigt Sponto mit unserer Forschungsgruppe bei der Vorbesprechung in unseren Second Life-Büroräumen.
Mittwoch, 21. Februar 2007
Halleluja! Der “Narhallamarsch” ist verklungen und für die Christen unter uns beginnt heute die Fastenzeit. Was sagt Kathpedia zum Thema?
Am Aschermittwoch bekommen die Gläubigen traditionell im Rahmen einer Heiligen Messen das Aschenkreuz. Die Asche ist das Symbol für die Vergänglichkeit. Streng genommen sollte die Asche für das Aschenkreuz aus dem Holz der im im Vorjahr am Palmsonntag verwendeten Palmzweige sein. Während der Auflegung des Aschenkreuzes sagt der Priester: “Bedenke, Mensch, dass Du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst.”
Aha. Weiterlesen?
Mittwoch, 10. Januar 2007
Beichten ist en vogue! Und zwar nicht nur im umgangssprachlichen Sinne! So das Fazit des Artikels “Der Drang zur Bekenntnis” in Telepolis vom 31.12.2006.
Recht ansprechend und mit statistischen Daten untermauert wird ein Bogen von der “Promibeichte als Bußspektakel” bis zu neuen Formen von Online-”Beichten” auch im christlich-religiösen Sinne (einschließlich der theologischen Probleme der Beichte als Sakrament) gespannt.
Erwähnung findet unter anderem das Beicht-Portal Mysecret.tv des US-amerikanischen Predigers Craig Groeschel, aber (mit großem Schwerpunkt) auch deutsche Seelsorge-Seiten, wie beispielsweise die allseits bekannte virtuelle Kirche St. Bonifatius in funcity - mit 8 Jahren seit ihrer Gründung vermutlich einer der ältsten deutschen Online-Kirchen.
Bis auf wenige Theologismen ein sehr sehr guter Artikel!
Lesen lohnt sich!
Sonntag, 31. Dezember 2006
… und nicht zuviel knallen! Denkt an die armen Engelchen!
Donnerstag, 28. Dezember 2006
Liegt es an Weihnachten? Dass ich über Rituale nachdenke? Oder bin ich nur überarbeitet??? Eine Überdosis SFB kurz vor dem Fest?
Zeit Wissen (siehe gestriges Posting) jedenfalls schreibt:
“Das Schöne an den Ritualen ist, dass man nicht an sie glauben muss”, sagt der Indologe Axel Michaels, Sprecher des Sonderforschungsbereichs Ritualdynamik an der Universität Heidelberg, “man muss sie einfach nur machen.”
Na, wie schön!

Dann kann ich mich ja beruhigt und ohne schlechtes Gewissen wieder dem Fress-Stupor unterm Weihnachtsbaum hingeben! Ohne darüber nachdenken zu müssen, wie unwahrscheinlich es ist, dass heute vor rund 2000 Jahren ein kleiner vaterlos gezeugter Schreihals in einer Futterkrippe liegt, der angetreten ist, die Welt zu retten …
Ich muss weihnachtlich sein. Ist eins von vielen Ritualen, die die Gesellschaft zusammenkittet. Weiss die Zeit, die übrigens auch eine nette Bilderserie zum Thema hat. Ich tue also gewissermaßen meine gesellschaftliche Pflicht. Gut zu wissen!
Mittwoch, 27. Dezember 2006
Jetzt hat es auch die Zeit entdeckt:
“Küsse zur Begrüßung, Reime am Esstisch, die Einstandsfeier für den neuen Kollegen: Unser Alltag steckt voller Rituale. Ohne sie funktionieren Gesellschaften nicht, sagen Anthropologen.”
Entsprechend gibt es in der Zeitschrift Zeit Wissen 06/2006 unter der Überschrift “Piep, Piep, Piep - Guten Appetit” (Wie geistreich! *seufz*) einen Artikel zum Thema, in dem unter anderem der Berliner Sonderforschungsbereich “Kulturen des Performativen” und Heidelberger Sonderforschungsbereich “Ritualdynamik” erwähnt werden.
Schade! Unser Internetprojekt war den Autoren wohl nicht interessant genug! (Oder doch zu abgespact?!) Erwähnt wird allerdings das medizinpsychologische Projekt “Ritualdynamik und Salutogenese beim Gebrauch psychoaktiver Substanzen”.
Na, immerhin!
Freitag, 1. Dezember 2006
Neulich in der Süddeutschen: Hexe wird vom Amtsgericht München zur Rückerstattung des Honorars für einen Liebeszauber verurteilt. Nicht etwa, weil sich die Liebe trotz aller rituellen Bemühungen nicht einstellen wollte, sondern:
Ein Liebeszauber sei eine “objektiv unmögliche Leistung”, heißt es in der Begründung der Richter. Ein Liebesritual sei “nicht geeignet, einen Menschen aus der Ferne zu beeinflussen”.Deshalb habe die Klägerin ein Anrecht auf Rückzahlung. Dabei spiele es keine Rolle, dass die Frau zunächst selbst um die Zauberhilfe gebeten hatte und mit dem Vertrag einverstanden war.
Tja. Moderne Hexen haben es heutzutage anscheinend schwer …