Dienstag, 6. Februar 2007
Die Presse hat Second Life entdeckt! Musste man früher Artikel zu dieser boomenden virtuellen Welt mühsam suchen, wird man derzeit zugeschüttet. Man kommt mit der Archivierung kaum nach. - Und das ist nicht nur aus Eigeninteresse wichtig! Unser geplantes Forschungsprojekt über “Rituale in Second Life” will ebenfalls vorbereitet werden!
Einige Autoren versteigen sich bei der Berichterstattung gar in (quasi-)religiöse Metaphern-Dschungel. So geschehen in einem Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 04. Februar über “Markenbildung bei Second Life” von Jürgen Schmieder.
Hier ein kleiner Auszug:
Um den Aufstieg von Person zur Marke geht es bei der Existenz im Internet. “Second Life” bedeutet die virtuelle Wiedergeburt. Der Ausspruch ,,Bleib’ wie Du bist!‘‘ hat im digitalen Zeitalter ausgedient. Im Metaversum gibt es ein neues Motto: ,,Sei einfach, was Du sein willst!‘‘ Wenn Religion des Volkes Opium ist, dann ist Second Life sein LSD.
Nee, was hübsch!
Ich nehm´ dann nochmal ne Runde LSD … (Die Arbeit ruft!) Opium wirkt bei mir einfach nciht!
Mittwoch, 31. Januar 2007
Die Zeit widmet ab Anfang Februar “den Weltreligionen” eine 7-teiligen Serie.
Unter dem Titel „Was soll ich glauben?“ geht DIE ZEIT dem Phänomen der großen Weltreligionen nach. In Interviews, Hintergrundberichten und Analysen beschäftigen sich ZEIT-Autoren ausführlich mit der Faszination des Glaubens, der wachsenden Bedeutung von Religionen und dem Wiedererwachen religiöser Symbolik - ohne dabei jedoch die Schattenseiten zu ignorieren.
Ah ja …
Zwar ist der Terminus “Weltreligionen” bekanntermaßen problematisch (und dessen Benutzung lässt Schlimmes ahnen), aber lohnenswert ist die Lektüre der angekündigten Themenschwerpunkte sicherlich trotzdem. (Und sei es als abschreckendes Beispiel!)
Hier die Themen im Überblick:
8. Februar - Christentum
15. Februar - Judentum
22. Februar - Buddhismus
1. März - Konfuzianismus
8. März - Hinduismus
15. März - Islam
22. März - Atheismus
Mal gespannt, wieviele Religionswissenschaftler zu Wort kommen …
Mittwoch, 10. Januar 2007
Beichten ist en vogue! Und zwar nicht nur im umgangssprachlichen Sinne! So das Fazit des Artikels “Der Drang zur Bekenntnis” in Telepolis vom 31.12.2006.
Recht ansprechend und mit statistischen Daten untermauert wird ein Bogen von der “Promibeichte als Bußspektakel” bis zu neuen Formen von Online-”Beichten” auch im christlich-religiösen Sinne (einschließlich der theologischen Probleme der Beichte als Sakrament) gespannt.
Erwähnung findet unter anderem das Beicht-Portal Mysecret.tv des US-amerikanischen Predigers Craig Groeschel, aber (mit großem Schwerpunkt) auch deutsche Seelsorge-Seiten, wie beispielsweise die allseits bekannte virtuelle Kirche St. Bonifatius in funcity - mit 8 Jahren seit ihrer Gründung vermutlich einer der ältsten deutschen Online-Kirchen.
Bis auf wenige Theologismen ein sehr sehr guter Artikel!
Lesen lohnt sich!
Samstag, 6. Januar 2007
Aus einem Artikel auf der Webpräsenz von jesus.ch:
Oft hören wir in diesen Tagen von den „Heiligen drei Königen“. Drei Worte – drei Irrtümer. Erstens waren sie keine „Heiligen“, sondern Heiden. Zweitens ist nicht sicher, ob sie zu dritt kamen. Nach Matthäus könnten es ebenso gut zwei oder vier gewesen sein. Nur die Anzahl der Geschenke ist bekannt. Und drittens waren es keine Könige, sondern Gelehrte und Sterndeuter.
Äh … Ja.
(Für alle, die so unwissend sind, wie ich: es handelt sich um 1. Matthäus 2, 1-12.)
Der Stern hingegen bietet eine humorige (und überhaupt nicht den Zeitkontext berücksichtigende — jaja!) Spekulation darüber an, was wohl gewesen wäre, hätte es sich um 3 König*innen* gehandelt … (Download als Powerpoint-Datei. [150 kb])
Nee, ist klar jetzt …!
Mittwoch, 27. Dezember 2006
Jetzt hat es auch die Zeit entdeckt:
“Küsse zur Begrüßung, Reime am Esstisch, die Einstandsfeier für den neuen Kollegen: Unser Alltag steckt voller Rituale. Ohne sie funktionieren Gesellschaften nicht, sagen Anthropologen.”
Entsprechend gibt es in der Zeitschrift Zeit Wissen 06/2006 unter der Überschrift “Piep, Piep, Piep - Guten Appetit” (Wie geistreich! *seufz*) einen Artikel zum Thema, in dem unter anderem der Berliner Sonderforschungsbereich “Kulturen des Performativen” und Heidelberger Sonderforschungsbereich “Ritualdynamik” erwähnt werden.
Schade! Unser Internetprojekt war den Autoren wohl nicht interessant genug! (Oder doch zu abgespact?!) Erwähnt wird allerdings das medizinpsychologische Projekt “Ritualdynamik und Salutogenese beim Gebrauch psychoaktiver Substanzen”.
Na, immerhin!
Freitag, 1. Dezember 2006
Neulich in der Süddeutschen: Hexe wird vom Amtsgericht München zur Rückerstattung des Honorars für einen Liebeszauber verurteilt. Nicht etwa, weil sich die Liebe trotz aller rituellen Bemühungen nicht einstellen wollte, sondern:
Ein Liebeszauber sei eine “objektiv unmögliche Leistung”, heißt es in der Begründung der Richter. Ein Liebesritual sei “nicht geeignet, einen Menschen aus der Ferne zu beeinflussen”.Deshalb habe die Klägerin ein Anrecht auf Rückzahlung. Dabei spiele es keine Rolle, dass die Frau zunächst selbst um die Zauberhilfe gebeten hatte und mit dem Vertrag einverstanden war.
Tja. Moderne Hexen haben es heutzutage anscheinend schwer …
Dienstag, 14. November 2006
Zwar ist es derzeit v.a. der Dokumentarfilm “Jesus Camp”, der Wellen schlägt - doch auch anderswo wird zu evangelikalen Jugendbewegungen geforscht und geschrieben.
Nur ein weiteres Beispiel, was Telepolis in seinem Artikel “Christliche Fanatiker auf dem Vormarsch” thematisiert, ist das Buch “Righteous. Dispatches from the Evangelical Youth Movement“ (New York, 2006) der US-Journalistin Lauren Sandler.
Auch sie glaubt, dass es die neuen Evangelikalen eine fundamental-christliche Revolution in den USA wollen, sie ergänzt aber das Bild von Becky Fischer und ihrer Armee aus jugendlichen Gotteskriegern um eine weitere Facette. Nicht nur die Militanz und die Jugendlichkeit der Bewegung machen sie sprachlos, sondern auch die subkulturelle Variationsbreite, in der sie auftritt.
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Mittwoch, 8. November 2006
Die Junge Welt vom 02.11. thematisiert in ihrem Artikel “Chronisch übersehen. Gegen zuviel Religion bei ARD und ZDF” die Frage religiöser bzw. religiös konnotierter Sendungen bei den öffentliche Rechtlichen Sendern. Laut dem Artikel habe die Giordane Bruno Stiftung in einem offenen Brief den Vorschlag des Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, und des Intendanten des Südwestrundfunks, Peter Voß, Muslime in die Aufsichtsgremien von ARD und ZDF aufzunehmen und “islamisch geprägte Sendungen” in den öffentlich-rechtlichen Programmen auszustrahlen heftig kritisiert.
Im Gegenteil forderte die Stiftung, die u.a. mit dem Slogan “Wissen statt Glauben” wirbt, endlich einmal die Rechte der “größte[n] weltanschauliche[n] Gruppierung in Deutschland” (so die Junge Welt), nämlich die der Konfessionslosen zu berücksichtigen. Weiterlesen?
Donnerstag, 19. Oktober 2006
Und wieder eine “Stilblüte” bei der News-Suche (Stichwort “Religion”) unter Google. (Die sollten wirklich mal ihr Suchparameter überprüfen!!!):
Eine dramatische(!) Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur idea e.V. über eine “Antichristliche Aktion an der Universität Dresden” - und weil sie so “schön” ist, hier in voller Länge:
Dresden (idea) – Zu einer antichristlichen Aktion ist es an der Universität Dresden gekommen. Ziel war ein Projekt der Evangelischen Studentengemeinde (ESG), mit dem sie Menschen „ins Gespräch über Gott und die Welt bringen möchte“, wie Studentenpfarrer Michael Leonhardi gegenüber idea sagte. Dazu wurde im Hörsaalgebäude der Technischen Universität (TU) eine Schriftrolle aufgestellt. Auf ihr sollte jede Woche bis zum Ende des Semesters ein anderes Zitat bekannter Persönlichkeiten zum Verhältnis von Vernunft und Religion zu lesen sein. Doch nach zwei Tagen war die Schriftrolle gestohlen. Die Studentengemeinde erhielt ein Bekennerschreiben von einer Gruppe, die sich „Deprivation Through Intelligence“ (Beraubung durch Intelligenz) nennt und sich als „militant“ bezeichnet. Das mitgelieferte Foto zeigt zwei vermummte junge Männer, die sich in der Pose von Selbstmordattentätern neben der gestohlenen Schriftrollen-Installation präsentieren.
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Mittwoch, 18. Oktober 2006
Noch eine kleine Nachbemerkung zu meinen Kommentaren über den (doch recht doofen, hirnlosen und überhaupt völlig inkompetenten) Artikel über “Exploring Religion through ‘Battlestar Galactica’”:
Der (einzige) Grund, warum ich diesen überhaupt zum Thema gemacht habe, ist die Tatsache, dass er heute mittag bei Google News der erste(!!!) Eintrag war, der bei der Suche nach dem Stichwort “Religion” angezeigt wurde. Kaum zu glauben … (Die bei Google sollten mal ihre Suchparameter anpassen!)
Aber vielleicht sollte ich demnächst mal etwas zu meiner Methode schreiben, die ich beim Auswählen der Beiträge für diesen Blog aussuche. Es gibt nämlich eine Methode! (Jedenfalls fast :))
Und das macht man ja so, unter uns Wissenschaftlers. *augenzwinker*
Gell?!