Dienstag, 8. April 2008

Trauerrituale 2.0. - Gräber mit Barcode?

Dass das Internet mit seinen unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend unser Leben durchzieht, ist eine vielzitierte Binsenweisheit. Der Einfluss moderner Internettechnologie auf Tod und Trauerrituale ist jedoch vielleicht nicht ganz so bekannt. Dabei gibt es da Einiges und das z.T. schon recht lange!

0102042121000.jpgSo berichtete Spiegel Online im Dezember 2004 von pakistanischen Schiiten, die bereits seit 2001 per Webcam die Gräber ihrer Liebsten besuchen können. - Immer und von überall aus. Und offenbar mit dem Segen muslimischer Geistlicher. “Die Scharia erlaubt das Zitieren von Gebeten im Internet zur Freude der Seelen der Verstorbenen”, sagt der Geistliche Shabbar Hussain Zaidi (laut Spiegel Online).

“Internetfriedhöfe” (meist als statische Webseiten realisiert), mit deren Hilfe Hinterbliebene virtuelle Gedenkstätten errichten können, finden sich zur Genüge und in allen Formen und Farben (und technischem Niveau), wie eine Google-Suche nach dem Begriffspaar “Internet” und “Friedhof” deutlich zeigt.

yourdeathspace.jpg

Sogar die “Social Networking-Generation” hat mit MyDeathSpace und YourDeathSpace Pendants zu MySpace geschaffen, auf dem die Profile verblichener Nutzer gelistet werden. - Einschließlich Todestag und Todesursache sowie der Möglichkeit zum Kondolieren. Weiterlesen?


Dienstag, 8. Mai 2007

Wider den religiösen Analphabetismus (in den USA)

Stephen Prothero, *der* US-amerikanische Religionswissenschaftler mit der (vermutlich) größten Medienpräsenz hat es wieder getan! Nach “American Jesus: How the Son of God Became a National Icon” und “A Nation of Religions: The Politics of Pluralism in Multireligious America ” erschien im März diesen Jahres sein neuestes Buch und bislang größter publizistischer Erfolg “Religious Literacy: What Every American Needs to Know–And Doesn’t “, das er medienwirksam zu vermarkten versteht.

Der Leiter des Religionswissenschaftlichen Lehrstuhls der Boston University bezeichnet seine Landsleute (laut einem nicht unkritischen Artikel der NZZ vom 1. April) als “religiöse Analphabeten” und beklagt, dass sich zwar rund 90% der US-Bürger als (christlich?) religiös bezeichnen, jedoch kaum mit der Bibel (oder anderen Religionen) vertraut seien und deshalb in seinem Land “Glaube ohne Wissen” vorherrsche. Weiterlesen?

2 Kommentare » Abgelegt unter Presse, Trivia, USA, Christentum, Populärkultur von omsein um 4:46.

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Samstag, 28. April 2007

Unterwegs mit Sponto

Second Life ist ja gerade Lieblingskind der Medien. Könnte man meinen. Nicht, dass die “Virtuelle Welt” (oder das “Metaverse”, wie man auch sagen kann) dabei besonders gut wegkäme! Weit gefehlt! Ein Gutteil der Berichterstattung dreht sich um Sex und Geld (in dieser Reihenfolge). Dann kommt ganz lange nichts mehr … Die Bedeutung von Second Life als Community-Plattform scheint bei den Medien im “first life” weitgehend unbekannt. Nun ja.

Seit einiger Zeit führt auch der Spiegel Online-Redakteur Christian Stöcker mit dem in-world Namen “Sponto” ein “Second Life-Tagebuch”. Und auch er beschränkte sich zunächst auf die medienwirksameren Sujets (siehe oben), hat aber offenbar auch einen Blick für andere Themen. Grund genug, ihn (bzw. sie) auf unser neues Forschungsprojekt zu Ritualen in Second Life anzusprechen und ihn einzuladen.

Tatsächlich war Sponto interessiert und wir hatten uns gestern zu einem Spaziergang durch die “religiöse Topographie” von SL verabredet. Mal gespannt, ob er/sie diesen Streifzug in einem seiner nächsten Artikel thematisiert. (Und wenn ja, wie!)

spon-023.jpg

Der Screenshot zeigt Sponto mit unserer Forschungsgruppe bei der Vorbesprechung in unseren Second Life-Büroräumen.


Dienstag, 24. April 2007

Ex-Limbus

Gestern im Flugzeug in der “Welt kompakt” gelesen: “Vatikan schafft die Vorhölle ab”.

Nicht ganz neu die Meldung und schon einige Zeit in Umlauf , allerdings meist missverstanden. (Siehe z.B. recht gute Zusammenfassung der Irrungen und Wirrungen um die neueste vatikanische Verlautbarung in Telepolis vom 23.04.). Was “abgeschafft” wurde, ist nämlich mitnichten das Fegefeuer (Purgatorium), in dem die Seelen der Gläubigen geläutert werden, sondern lediglich der Limbus (infantium), in dem ungetaufte Kinder bis in alle Ewigkeit ausharren müssen - ohne Chance auf Erlösung. Eine Vorstellung, die im übrigen nie offizielles kirchliche Lehre war, allerdings gut zum katholischen Credo “extra ecclesia nulla salus” (“ausserhalb der Kirche gibt es kein Heil”) passt.

Angeblich (ebenfalls laut “Welt kompakt”) sah sich der Vatikan nicht zuletzt aufgrund der hohen Zahl an Abtreibungen zu einer Revision seiner Position zum Thema limbus infantium gezwungen. Ah ja! Ist das  jetzt “Katholizismus light“?!

Kommentieren? » Abgelegt unter Presse, Kirche, Christentum von omsein um 19:17.

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Freitag, 6. April 2007

"Sweet Jesus"?!

Passend zum Karfreitag: In den USA sorgt eine lebensgroße Christus-Figur aus (Achtung!) Schokolade in Kreuzigungs-Pose für einen Eklat unter Christen: Insbesondere die “Katholische Liga” fühle sich - so Spiegel Online vom 30. März - von der golgathanischen Schoko-Figur angegriffen. Der Vorsitzender Bill Donnahue spricht von “einer der schlimmsten Verletzungen christlicher Gefühle, die es je gegeben hat”.

Er kritisierte vor allem, dass “My Sweet Lord”, wie die Schokoladenfigur genannt wird, ausgerechnet in der Karwoche und über Ostern in der Galerie des Hotels (gemeint ist das Roger Smith Hotel in New York, d. Bl.) gezeigt werde. “Die Tatsache, dass genau die Karwoche gewählt wurde, zeigt, dass das kalkuliert und absichtlich ist”, sagte Donohue, dessen Gruppe 350.000 Katholiken in den USA repräsentiert. Er rief zu einem wirtschaftlichen Boykott des Hotels auf. Moralisch sei das Hotel schon ruiniert.

Zwar wiegelte das Hotel die Kritik ab, sprach vom Zeitpunkt der Ausstellung kurz vor Ostern von einem “unglücklichen Zufall” und verglich die heftige Reaktion der Gläubigen mit einer “christlichen Fatwa” (so Spiegel Online), dennoch wurde (so die Website des Post Chronicle, ebenfalls vom 30.3.) das Exponat aus Rücksicht auf die religiösen Gefühle der protestierenden Christen nun wieder abgenommen. Weiterlesen?

Kommentieren? » Abgelegt unter Presse, USA, Christentum, Populärkultur von omsein um 9:07.

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Mittwoch, 4. April 2007

"Was soll ich glauben?" - Eine Kritik

Wie bereits am 31. Januar berichtet, erschien in der Zeit eine 7-teilige Serie “über Fluch und Segen der Weltreligionen - und weshalb sie Menschen bis heute faszinieren”. Einige der Artikel sind online verfügbar - einschließlich Überblicksseite.

“Weltreligion(en)”
Die unreflektierte Nutzung des leider immer noch gerne genutzten Terminus “Weltreligionen” ließ bereits im Vorfeld Schlimmes ahnen - und die Ahnung wurde auch teilweise bestätigt, was ich bei einer renommierten und ansonsten kritischen und durchaus kompetent recherchierenden Zeitung wie der Zeit für äußerst bedauerlich halte. Allerdings finden sich auch einige (wenige) sehr gute Artikel, die die redaktionellen Fehlgriffe wieder etwas relativieren.

Religiöse Experten?
Generell läßt sich feststellen: Religionswissenschaftler oder Hinweise auf eben solche sind äußerst selten zu finden. “Experten” für die jeweiligen Religionen kommen ebenfalls nur sehr sparsam zu Wort. Das muss nicht per se schlimm sein, rächt sich jedoch des öfteren bei den eher krude zusammengefassten Überblicksartikeln zu den behandelten Religionen Christentum (08.02.), Judentum (15.02.), Buddhismus (22.02.),
Konfuzianismus (01.03.), Hinduismus (08.03.), Islam (15.03.) und “Unglaube” (22.03.), die den zweifelhaften Charme von esoterisch angehauchter Populärliteratur verströmen. Weiterlesen?

Kommentieren? » Abgelegt unter Presse, Populärkultur, Wissenschaftsdiskurs von omsein um 6:25.

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Samstag, 24. März 2007

"Das Wort zum Freitag"!

Es wurde hier bereits einmal thematisiert: die Öffentlich-Rechtlichen planen ein “Wort zum Freitag” für Muslime, das zunächst im Internet augestrahl werden sollte. Wonach sich Kritik regte, da verständlicherweise auch andere Religionsgemeinschaften nun ihr “Wort” wollten … (Eine ganz gute Zusammenfassung der Diskussion bietet dieser Artikel der Süddeutschen vom 19. Februar).

Offensichtlich steht der Sendetermin für das “Islamische Wort” nun fest, wie Spiegel Online heute berichtet:

Das “Islamische Wort” soll vom 20. April an auf der Internetseite des Informationsradios SWR Cont.ra in deutscher Sprache ausgestrahlt werden. Dies gab der Intendant des Senders, Peter Voß, nach einer Sitzung des SWR-Rundfunkrats in Mainz bekannt. (…) Die etwa dreiminütigen Beiträge werden dann von den Autoren selbst gesprochen und sollen sich nicht nur an Muslime, sondern auch an andere religiös interessierte Zuhörer wenden.

Das ging ja fix! Und das trotz aller Angst vor “islamistischer Unterwanderung” und “Hasspredigern” (so die Sorge der verantwortlichen Stellen)!

Mal gespannt, ob nun bald auch andere religiöse Wörter folgen … Wenn ja, wäre das ein spannendes Forschungsfeld für Religionswissenschaftler und eine etwas andere Form der Komparatistik! :)

1 Kommentar » Abgelegt unter Presse, Islam von omsein um 11:21.

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Donnerstag, 22. März 2007

Scharia in Deutschland?

… Es ging ja durch alle Zeitungen: Eine Richterin am Familiengericht Frankfurt / Main soll bei einem Urteilsspruch in einem Scheidungsverfahren den Koran hinzugezogen und auf das dort niedergelegte Züchtigungsrecht der Frau rekurriert haben.

Wie bitte?
Scharia in Deutschland?
Was wollen wir eigentlich?
“Multikulti” und “Jedem das Seine” oder deutsche “Leitkultur”?

In den Entrütsungsstürm ging völlig unter, wer jetzt genau was gesagt und getan hat und warum. Wohltuend deshalb der Artikel “Koran-Alarm in Deutschland” in der Süddeutschen vom 22.03., der versucht, ein bisschen Licht ins Dunkel zu bringen. Weiterlesen?

Kommentieren? » Abgelegt unter Presse, Islam von omsein um 17:19.

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Donnerstag, 15. März 2007

Gott und das Klima

Was haben konservative US-amerikanische Christen mit der Klimaerwärmung am Hut? Nichts. Genau. Nach einem Telepolis-Artikel vom 06. März sehen sie in der derzeitigen Klima-Diskussion nur “eine linke Ablenkung von den wichtigen Themen”. Trotzdem ist da in letzter Zeit so einiges in Bewegung geraten weiß Florian Rötzer in seinem Artikel “Gott und die Klimaerwärmung”:

Fundamentalistische Christen in den USA zeichnen sich auch dadurch aus, dass für sie Klimaerwärmung keine wirkliche Bedrohung darstellt. Gott hat die Welt und das Leben in ihr bis hin zum Menschen mehr oder weniger vollendet geschaffen, weswegen größere evolutionäre Veränderungen oder katastrophale Zufälle im Plan der göttlichen Vorhersehung keine Rolle spielen. Es wäre schon ein Frevel aus dieser Sicht, wenn man es für möglich hält, dass Gott die für den Menschen geschaffene Welt durch deren eigene Aktivitäten über eine Klimaerwärmung gefährden lassen könnte. Also haben in der gegenwärtigen Aufregung nach dem UN-Klimabericht mehrere konservative christliche Gruppen einen Brief an ihre Kollegen von der National Association of Evangelicals (NAE) geschickt, um diese aufzufordern, nicht mehr über die Klimaerwärmung die eigentlich wichtigen christlichen Themen zu verdrängen.

Es ist ja allgemein bekannt: Das Kyoto-Protokoll spielt in den USA nicht wirklich eine Rolle. Der Präsident selbst hat gewisse Berührungspunkte :) mit dem erwähnten christlich-konservativen Kreisen und ein Viertel aller Treibhausgase wird jenseits des großen Teichs produziert (wie die Business Week kürzlich veröffentlichte).

ABER: Seit kurzem gibt es die Evangelical Climate Initiative (so Telepolis), die die Klimaprobleme als Menschenwerk ernst nimmt und zum Handeln aufruft. Weiterlesen?

Kommentieren? » Abgelegt unter Presse, USA, Christentum, Wissenschaftsdiskurs von omsein um 6:33.

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Donnerstag, 1. März 2007

Eine Religion - ein Wort (zum Freitag, Samstag, Sonntag?)

Die Diskussion ist nicht ganz neu (derArtikel zugegebenermaßen auch nicht, nämlich aus dem Spiegel Online vom 16.02.) und es geht um das “Wort zum Sonntag”: “Jedem sein eigenens Wort!” Das Essay von Henryk M. Broder ist eines der besten Stücke Realsatire, die ich seit langem gelesen habe!

Wir erinnern uns: Seit rund 50 Jahren ist das “Wort zum Sonntag” beim werbefreien Sender ARD als spätabendliche Fernsehpause genutzt. Man geht zur Toilette, holt noch ein Bier, macht noch eine Flasche Sekt auf, kocht sich einen Kaffee, … Weiterlesen?



Nachspann und anderes Blabla

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