Mittwoch, 11. Juni 2008

“Genesis Land” in Heidelberg?

Vom Standpunkt der religionswissenschaftlichen Lehre aus gesehen, wäre es nett gewesen: Die Schweizer Aktiengesellschaft Genesis Land plane im Jahr 2011 einen kreationistischen Themenpark, verlautbarte Telepolis vom 02.06.2008. Als mögliche Standorte kämen Berlin oder der Rhein/Main/Neckar-Raum mit Fokus Heidelberg in betracht. - (Auch) der US-Amerikanischen Touristen wegen.

Ziel des rund 40 Hektar großen Parks sei es - so Telepolis weiter

„die biblische Geschichte und Botschaft in einer modernen und erlebnisreichen Art“ zu vermitteln. Gezeigt werde zum „hautnahen“ Miterleben die „wunderbarste und fantastischste Liebesgeschichte aller Zeiten“, damit die Menschen „die frohe Botschaft verstehen und auch annehmen“.

Neben der Arche Noah in “Originalgröße” (LxBxH - 150×25x15m), Dinosauriern (zu groß für die Arche und deshalb ausgestorben[?]), einer Sintflut-Simulation (mit echtem Wasser?) und dem Turm von Babel (mit Restaurant) sollte es jede Menge Fahrgeschäfte geben. Denn neben der didaktischen Funktion sollte der Park ähnlich viel und ebenso schnell Rendite abwerfen wie vergleichbare Projekte in den USA, beispielsweise das Creation Musem oder das Lost World Museum (>>om sein<< berichtete).

Besonders interessant am Gesamtkonzept: Laut der Webseite der Planer wollte man nicht nur die Schöpfung bis zur Jetztzeit thematisieren, sondern die gesamte Weltgeschichte bis zur “Endzeit und zur Vollendung, der Erschaffung eines neuen Himmels und einer neuen Erde”. (Hat da etwa jemand zu tief in die Kristallkugel geguckt?) Weiterlesen?

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Dienstag, 27. Mai 2008

Denominationsgewurschtel(?)

Neulich im Urlaub im Souvenirshop des Benediktiner-Klosters Andechs ist mir - zwischen jeder Menge wunderschönen religiösen Kitschs - folgende Kerze ins Auge gefallen.

kerze-andechs.jpg Sie zeigt (aufgrund der unbefriedigenden Qualität meiner Handy-Kamera leider nur undeutlich) eine klassisch katholische Darstellung der Maria mit Kind in einer Wolke über dem “heiligen Berg” Andechs. Darunter stehen die Worte “Andenken an Andechs” geschrieben. Soweit so gut und wenig ungewöhlich.

Interessant wird es danach: Ganz unten auf der Kerze ist nämlich das berühmte Gebet / Kirchenlied “Von guten Mächten” aufgedruckt, welches von dem protestantischen(!) Theologen Dietrich Bonhoeffer verfasst wurde und im Dezember 1944 als eines seiner letzten schriftlichen Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Flossenbürg an seine Familie ging. Im April des darauffolgenden Jahres wurde er hingerichtet.

Ein protestantisches Gebet auf einem katholischen Ritualgegenstand? Absicht oder Versehen? Eine Google-Suche ergab, dass die Verwendung des Bonhoeffer-Texts im katholischen Umfeld durchaus nichts Ungewöhnliches ist. Ein gewisses Maß an Erstaunen (auf meiner Seit) ob dieser Vereinnahmung bleibt dennoch. Eine Nutzerin im Online-Portal www.mykath.de bringt es (ironisierend?) auf den Punkt:

Wie könnt Ihr nur für die Verse eines Häretikers schwärmen, der bei Euch nie zur Kommunion hätte gehen geschweige denn einem von Euch die Kommunion hätte spenden dürfen?

Ganz so hart und wertend hätte ich meine Verwunderung nun nicht ausgedrückt, aber im Prinzip gehen meine Gedanken in eine ähnliche Richtung.

“Denominationsgewurschtel” zwischen trans-denominaler Annäherung und interreligiösem Dialog? Ein Zeichen von (innerchristlichem) “Synkretismus”? Oder vielleicht erste zarte Triebe von “Individualreligiosität” in erzkatholischen Diskursfeldern? Ich hoffe auf Antworten!


Donnerstag, 8. Mai 2008

AG Social Media e.V. (fast) gegründet

Gestern war nun also die Gründungsversammlung des Vereins Arbeitsgemeinschaft Social Media (AG SM) in München, auf dem die Satzung verabschiedet und ein Vorstand gewählt wurde. Ein Eintrag ins Vereinsregister wird die ganze Sache dann offiziell machen. Dann kann es losgehen!

Ich persönlich wünsche mir von so einem Verein die Möglichkeit einer noch engeren Vernetzung mit Wissenschaftlern, die im Bereich “Social Software” / “Web 2.0″ forschen. - Die meisten bisherigen Begegnungen verdanke ich dem Zufall. Und das ist nicht gut!

Interessant wird die Doppelrolle der AG SM als Forschungsverband einerseits und Interessenvertretung andererseits. Ich bin gespannt, ob und wie dieser Spagat gelingt und welche forschungsethischen Fragen sich aus dieser Verbindung ergeben. Mein subjektiver Eindruck war, dass zum mindesten gestern der Anteil der “Wirtschaft” den der “Forschung” weit überstieg. - Aber das muss ja nichts heißen.

Wünschenswert fände ich eine Arbeitsgruppe für qualitative Blog-Forschung. Und die Förderung des wissenschaftlichen Bloggens bzw. dessen Akzeptanz in der akademischen Welt. Vielleicht ist ja auch eine Vernetzung mit dem REMID-Arbeitskreis Religionswissenschaft online möglich?

Ich bin gespannt, wie es weitergeht! (Und wann die erste offizielle Mitgliederversammlung der AG SM stattfindet!)

[Update: Die erste Mitgliederversammlung findet am Mittwoch, 28. Mai in Berlin statt. Es tut sich was!]


Dienstag, 8. April 2008

Trauerrituale 2.0. - Gräber mit Barcode?

Dass das Internet mit seinen unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend unser Leben durchzieht, ist eine vielzitierte Binsenweisheit. Der Einfluss moderner Internettechnologie auf Tod und Trauerrituale ist jedoch vielleicht nicht ganz so bekannt. Dabei gibt es da Einiges und das z.T. schon recht lange!

0102042121000.jpgSo berichtete Spiegel Online im Dezember 2004 von pakistanischen Schiiten, die bereits seit 2001 per Webcam die Gräber ihrer Liebsten besuchen können. - Immer und von überall aus. Und offenbar mit dem Segen muslimischer Geistlicher. “Die Scharia erlaubt das Zitieren von Gebeten im Internet zur Freude der Seelen der Verstorbenen”, sagt der Geistliche Shabbar Hussain Zaidi (laut Spiegel Online).

“Internetfriedhöfe” (meist als statische Webseiten realisiert), mit deren Hilfe Hinterbliebene virtuelle Gedenkstätten errichten können, finden sich zur Genüge und in allen Formen und Farben (und technischem Niveau), wie eine Google-Suche nach dem Begriffspaar “Internet” und “Friedhof” deutlich zeigt.

yourdeathspace.jpg

Sogar die “Social Networking-Generation” hat mit MyDeathSpace und YourDeathSpace Pendants zu MySpace geschaffen, auf dem die Profile verblichener Nutzer gelistet werden. - Einschließlich Todestag und Todesursache sowie der Möglichkeit zum Kondolieren. Weiterlesen?


Dienstag, 25. März 2008

Religion 2.0 auf der re:publica 2008

Nun hat es doch noch geklappt mit einem Vortrag auf der diesjährigen re:publica, die bereits vollständig ausverkauft ist (immerhin über 800 Tickets)!

Das freut mich insbesondere, da es eine ganz eigene Herausforderung ist, einmal vor einem Publikum zu sprechen, dem ich *nicht* erst erklären muss, was hinter dem Begriff “Web 2.0″ steckt, wie ein Weblog funktioniert und dass Second Life-Benutzer tatsächlich ganz normale Leute sind (bzw. sein können)!

Zugegeben: Mein Vortragstitel “Beten per Mausklick? Religion(en) und Rituale im Internetzeitalter” klingt ein bisschen lahm. Eigentlich sollte er heißen: “Religion 2.0. Beten per Mausklick?”, aber die Organisatoren wollten kein “2.0″ im Titel, was bei einer Tagung wie der re:publica, wo der Begriff sicherlich schnell inflationär zu werden droht, auch zu verstehen ist.

Dieses Jahr soll es um “die kritische Masse” gehen, die - wenn sie erreicht ist - ein Netzwerk zu einem Selbstläufer macht (sagt Wikipedia). Dies hat wiederum Auswirkungen auf soziale Netzwerke, auf das tägliche Leben und auf Wirtschaft und Politik, meint Johnny Haeusler von Spreeblick, einer der Organisatoren der re:publica.

Die “kritische Masse” hat jedoch auch massiven Einfluss auf die religiöse Landschaft offline und online und kann sogar den Wissenschaftsdiskurs um und über Religion(en) nachhaltig beeinflussen! Meine ich. Genau darum soll es in meinem Vortrag gehen. (Den ich hoffentlich nicht vor einem völlig leeren Saal werde halten müssen! Das Thema ist vergleichsweise doch ein bisschen “abgespaced”, fürchte ich …)

Ich selbst werde mir auf jeden Fall folgende Beiträge anhören: Das Paper von Julian Kücklich (“A Mass without Criticality. Virtual Worlds, Social Networks, and their Discontents”), den Vortrag von Jan Schmidt über den BILDblog und die Beiträge der Hard Bloggin’ Scientists unter der Leitung von Steffen Büffel zu “Lehren und Lernen 2.0″.


Samstag, 22. März 2008

Forschungskolloquium Medienkultur in Bremen

Am 7. Februar war das erprobte Dreierteam (K., N. und ich) zu Gast am Institut für Medien, Kommunikation und Information der Universität Bremen. Im Rahmen des Forschungskolloquium Medienkultur, in dem es um eine kritische Auseinandersetzung mit Kommunikations- und Medienwandel im Hinblick auf Mediatisierung und Kulturwandel bzw. den Wandel von Medienkultur geht, haben wir zum Thema “Online - Religion - Online. Mediatisierungsprozesse im Fokus religionswissenschaftlicher Internetforschung” referiert.

Dabei ging es uns auch darum, sinnvolle Ideen und Anschlussmöglichkeiten für eine gemeinsame Forschung von Religionswissenschaft und Medienwissenschaft aufzuzeigen bzw. zur Diskussion zu stellen. Denn in unseren Projekten “Zwischen Online-Religion und Religion Online. Konstellationen für Ritualtransfer im Medium Internet” und “Religions in Virtual Worlds. Researching Theory and Practice of Cyber-Religions” greifen wir, da wir es mit medialen Ausgestaltungen von Religion(en) zu tun haben, ständig auf Medientheorien und andere Quellen aus der Medienwissenschaft zurück. Und warum soll es Medienwissenschaftlern, die sich mit Religion(en) beschäftigen, nicht genauso ergehen? Weiterlesen?

Kommentieren? » Abgelegt unter Tagungen, Populärkultur, Wissenschaftsdiskurs von omsein um 14:44.

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Dienstag, 8. Mai 2007

Wider den religiösen Analphabetismus (in den USA)

Stephen Prothero, *der* US-amerikanische Religionswissenschaftler mit der (vermutlich) größten Medienpräsenz hat es wieder getan! Nach “American Jesus: How the Son of God Became a National Icon” und “A Nation of Religions: The Politics of Pluralism in Multireligious America ” erschien im März diesen Jahres sein neuestes Buch und bislang größter publizistischer Erfolg “Religious Literacy: What Every American Needs to Know–And Doesn’t “, das er medienwirksam zu vermarkten versteht.

Der Leiter des Religionswissenschaftlichen Lehrstuhls der Boston University bezeichnet seine Landsleute (laut einem nicht unkritischen Artikel der NZZ vom 1. April) als “religiöse Analphabeten” und beklagt, dass sich zwar rund 90% der US-Bürger als (christlich?) religiös bezeichnen, jedoch kaum mit der Bibel (oder anderen Religionen) vertraut seien und deshalb in seinem Land “Glaube ohne Wissen” vorherrsche. Weiterlesen?

2 Kommentare » Abgelegt unter Presse, Trivia, USA, Christentum, Populärkultur von omsein um 4:46.

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Samstag, 28. April 2007

Unterwegs mit Sponto

Second Life ist ja gerade Lieblingskind der Medien. Könnte man meinen. Nicht, dass die “Virtuelle Welt” (oder das “Metaverse”, wie man auch sagen kann) dabei besonders gut wegkäme! Weit gefehlt! Ein Gutteil der Berichterstattung dreht sich um Sex und Geld (in dieser Reihenfolge). Dann kommt ganz lange nichts mehr … Die Bedeutung von Second Life als Community-Plattform scheint bei den Medien im “first life” weitgehend unbekannt. Nun ja.

Seit einiger Zeit führt auch der Spiegel Online-Redakteur Christian Stöcker mit dem in-world Namen “Sponto” ein “Second Life-Tagebuch”. Und auch er beschränkte sich zunächst auf die medienwirksameren Sujets (siehe oben), hat aber offenbar auch einen Blick für andere Themen. Grund genug, ihn (bzw. sie) auf unser neues Forschungsprojekt zu Ritualen in Second Life anzusprechen und ihn einzuladen.

Tatsächlich war Sponto interessiert und wir hatten uns gestern zu einem Spaziergang durch die “religiöse Topographie” von SL verabredet. Mal gespannt, ob er/sie diesen Streifzug in einem seiner nächsten Artikel thematisiert. (Und wenn ja, wie!)

spon-023.jpg

Der Screenshot zeigt Sponto mit unserer Forschungsgruppe bei der Vorbesprechung in unseren Second Life-Büroräumen.


Sonntag, 15. April 2007

The *MORMONS* were the correct answer!

Stellt euch vor: Das Licht geht aus … Der letzte Vorhang fällt … [Setze hier die “Sterbe”-Metapher deiner Wahl] … Und du gehst ins Licht (oder so). Nur, um dann festzustellen, dass du in einer Menschenmasse vor einer Bühne feststeckst, wie pubertierende Teenies auf einem Tokio Hotel Konzert. Und dann geht der Vorhang auf … Ein Ansager (Typ Staubsauger-Vertreter) tritt vor´s Mikrofon und sagt:

I´m the hell director … and for those of you who are a little confused: You are dead and this is hell. So abandon all hope and yadda, yadda, yadda …

NICHT DIE MORMONEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Na dann: Schönen Sonntag noch!

Danke für den Tipp, Stesch!

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Donnerstag, 12. April 2007

re:publica!

Kurze Verschnaufpause am zweiten Tag der re:publica in Berlin - Halbzeit! Der Kopf ist voll, aber immerhin dauert das Programm heute nicht bis 20:30 Uhr. Ein kleiner Eindruck (nicht unbedingt sinnvoll oder geordnet und blogthematisch eindeutig off topic):

  • Vor der Gutenberg- und Turing-Galaxis liegt das Gerücht (als solches)? (Sozio-Philosophie sucks! Und McLuhan ruhe in Frieden!)
  • Es gibt mehrere Blogosphären. “Wabernde Cluster”? Vermutlich schon. Aber *ganz* anders, als der Wortschöpfer es gemeint hat. Heißt das, ich bin (auch) irgendwo kompetent(er)? ;)
  • Jeder ist ein Troll. Theoretisch. Irgendwie, irgendwo, irgendwann …
  • Second Life ist ein Spiel. Und ansonsten kein Thema. (Noch nicht?! ;))

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Kommentieren? » Abgelegt unter Tagungen, Off Topic, Diss, Populärkultur von omsein um 13:49.

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Nachspann und anderes Blabla

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