Dienstag, 27. Mai 2008

Denominationsgewurschtel(?)

Neulich im Urlaub im Souvenirshop des Benediktiner-Klosters Andechs ist mir - zwischen jeder Menge wunderschönen religiösen Kitschs - folgende Kerze ins Auge gefallen.

kerze-andechs.jpg Sie zeigt (aufgrund der unbefriedigenden Qualität meiner Handy-Kamera leider nur undeutlich) eine klassisch katholische Darstellung der Maria mit Kind in einer Wolke über dem “heiligen Berg” Andechs. Darunter stehen die Worte “Andenken an Andechs” geschrieben. Soweit so gut und wenig ungewöhlich.

Interessant wird es danach: Ganz unten auf der Kerze ist nämlich das berühmte Gebet / Kirchenlied “Von guten Mächten” aufgedruckt, welches von dem protestantischen(!) Theologen Dietrich Bonhoeffer verfasst wurde und im Dezember 1944 als eines seiner letzten schriftlichen Zeugnisse aus dem Konzentrationslager Flossenbürg an seine Familie ging. Im April des darauffolgenden Jahres wurde er hingerichtet.

Ein protestantisches Gebet auf einem katholischen Ritualgegenstand? Absicht oder Versehen? Eine Google-Suche ergab, dass die Verwendung des Bonhoeffer-Texts im katholischen Umfeld durchaus nichts Ungewöhnliches ist. Ein gewisses Maß an Erstaunen (auf meiner Seit) ob dieser Vereinnahmung bleibt dennoch. Eine Nutzerin im Online-Portal www.mykath.de bringt es (ironisierend?) auf den Punkt:

Wie könnt Ihr nur für die Verse eines Häretikers schwärmen, der bei Euch nie zur Kommunion hätte gehen geschweige denn einem von Euch die Kommunion hätte spenden dürfen?

Ganz so hart und wertend hätte ich meine Verwunderung nun nicht ausgedrückt, aber im Prinzip gehen meine Gedanken in eine ähnliche Richtung.

“Denominationsgewurschtel” zwischen trans-denominaler Annäherung und interreligiösem Dialog? Ein Zeichen von (innerchristlichem) “Synkretismus”? Oder vielleicht erste zarte Triebe von “Individualreligiosität” in erzkatholischen Diskursfeldern? Ich hoffe auf Antworten!


Donnerstag, 1. Mai 2008

In Sachen Wissenschaftskommunikation: Drei Artikel des Heidelberger SFB-Internet-Forschungsprojekts online erschienen

Es ist ein bisschen Eigenwerbung: Gerade sehe ich, dass Vit Sisler, der an der Prager Karls-Universität zu Islamischem Recht im Cyberpace arbeitet, auf seiner Website Digital Islam drei Artikel online gestellt hat, die meine beiden Kolleginnen und ich anläßlich der Tagung Cyberspace in Brno (Tschechien) im Jahr 2006 als Paper eingereicht hatten und die 2007 im “Masaryk University Journal of Law and Technology” in Print erschienen.

Vit Sisler organisierte damals das noch *sehr* kleine Panel “Religious Norms in Cyberspace”. - Wir waren eine kleine Gruppe gegenüber einer Übermacht vor allem juristischer Beiträge. :)

Zwar hat keiner unserer drei Artikel etwas mit Islam zu tun, sondern sie bedienen sich thematisch vorwiegend bzw. in meinem Beitrag, der sich mit Ritualen der sog. “Emerging Church” befasst, dezidiert christlicher Quellen, aber alle unsere Aufsätze beschäftigen sich mit methodischen und methodologischen Fragen kultur- und religionswissenschaftlicher Internetforschung. - Ein Punkt, um den es auch bei Digital Islam geht.

Es handelt sich dabei im Einzelnen um folgende Aufsätze Weiterlesen?


Samstag, 19. April 2008

Beten per Mausklick? Religion(en) und Rituale im Internetzeitalter.

Auf der diesjährigen re:publica vom 2. bis 4. April in Berlin habe ich über die laufende Forschung zu Religionen im Internet am Institut für Religionswissenschaft der Universität Heidelberg gesprochen und einige Forschungsergebnisse und daraus resultierende theoretische Implikationen vorgestellt, die ich im Folgenden kurz paraphrasieren möchte. Die Ergebnisse sind die gemeinsame Arbeit einer Heidelberger Forschergruppe sowie Vorstudien zu meiner Dissertation. Die aufbereiteten Folien sowie eine vollständige Version des verschriftlichten Vortrags (einschließlich Fußnoten und bibliographischer Hinweise) gibt es hier als PDFs zum Download:

 

Im Internet, insbesondere im WWW, gibt es eine Vielzahl religiöser Homepages, die von Sammlungen religiöser Primärquellen (wie Online-Bibeln u.ä.) über individuelle religiöse Homepages, Webseiten religiöser Gruppen und Gemeinschaften bis hin zu Webpräsenzen religiöser Institutionen reichen. Bereits vor der Popularisierung des World Wide Web wurde das Internet benutzt, um sich über religiöse Themen auszutauschen, beispielsweise in Newsgroups und Diskussionsforen. Insbesondere dem WWW ist es jedoch zu verdanken, dass das, was man zuvor als “unsichtbare Religion” bezeichnete, nämlich persönliche religiöse Glaubensanschauungen jenseits (und oft im Widerspruch zu) theologisch-dogmatischer Lehrmeinungen, nun sichtbar und somit erforschbar wurde. Weiterlesen?


Samstag, 28. April 2007

Unterwegs mit Sponto

Second Life ist ja gerade Lieblingskind der Medien. Könnte man meinen. Nicht, dass die “Virtuelle Welt” (oder das “Metaverse”, wie man auch sagen kann) dabei besonders gut wegkäme! Weit gefehlt! Ein Gutteil der Berichterstattung dreht sich um Sex und Geld (in dieser Reihenfolge). Dann kommt ganz lange nichts mehr … Die Bedeutung von Second Life als Community-Plattform scheint bei den Medien im “first life” weitgehend unbekannt. Nun ja.

Seit einiger Zeit führt auch der Spiegel Online-Redakteur Christian Stöcker mit dem in-world Namen “Sponto” ein “Second Life-Tagebuch”. Und auch er beschränkte sich zunächst auf die medienwirksameren Sujets (siehe oben), hat aber offenbar auch einen Blick für andere Themen. Grund genug, ihn (bzw. sie) auf unser neues Forschungsprojekt zu Ritualen in Second Life anzusprechen und ihn einzuladen.

Tatsächlich war Sponto interessiert und wir hatten uns gestern zu einem Spaziergang durch die “religiöse Topographie” von SL verabredet. Mal gespannt, ob er/sie diesen Streifzug in einem seiner nächsten Artikel thematisiert. (Und wenn ja, wie!)

spon-023.jpg

Der Screenshot zeigt Sponto mit unserer Forschungsgruppe bei der Vorbesprechung in unseren Second Life-Büroräumen.


Donnerstag, 1. März 2007

Eine Religion - ein Wort (zum Freitag, Samstag, Sonntag?)

Die Diskussion ist nicht ganz neu (derArtikel zugegebenermaßen auch nicht, nämlich aus dem Spiegel Online vom 16.02.) und es geht um das “Wort zum Sonntag”: “Jedem sein eigenens Wort!” Das Essay von Henryk M. Broder ist eines der besten Stücke Realsatire, die ich seit langem gelesen habe!

Wir erinnern uns: Seit rund 50 Jahren ist das “Wort zum Sonntag” beim werbefreien Sender ARD als spätabendliche Fernsehpause genutzt. Man geht zur Toilette, holt noch ein Bier, macht noch eine Flasche Sekt auf, kocht sich einen Kaffee, … Weiterlesen?


Mittwoch, 24. Januar 2007

Haribo und die "Pastafarians"

Nachricht im Weblog der “Church of the Flying Spaghetti Monster”: Die Packung der US-amerikanischen Version saurer Spaghetthi zeigt eindeutig das Spaghetti-Monster!(?)

Ist die Firma etwa eine heimliche Keimzelle der “Pastafarians”? Oder soll das Bild eine subtile Kritik sein …?!

Is the company using the FSM as sort of a celebrity spokesman for their product, or is it a subtle anti-pastafarian message? What I mean is, how many products do you see with an illustration of Jesus being impaled by a fork?

Fragen über Fragen …! :)


Dienstag, 14. November 2006

"Kids on Fire" Vol. 2

Zwar ist es derzeit v.a. der Dokumentarfilm “Jesus Camp”, der Wellen schlägt - doch auch anderswo wird zu evangelikalen Jugendbewegungen geforscht und geschrieben.

Nur ein weiteres Beispiel, was Telepolis in seinem Artikel “Christliche Fanatiker auf dem Vormarsch” thematisiert, ist das Buch “Righteous. Dispatches from the Evangelical Youth Movement (New York, 2006) der US-Journalistin Lauren Sandler.

Auch sie glaubt, dass es die neuen Evangelikalen eine fundamental-christliche Revolution in den USA wollen, sie ergänzt aber das Bild von Becky Fischer und ihrer Armee aus jugendlichen Gotteskriegern um eine weitere Facette. Nicht nur die Militanz und die Jugendlichkeit der Bewegung machen sie sprachlos, sondern auch die subkulturelle Variationsbreite, in der sie auftritt.

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Donnerstag, 9. November 2006

Denken macht Durst!

Nachdem wir bis Sonntag mit unserer Tagung alle Hände voll zu tun haben werden, gibt´s bis dahin keine weiteren Einträge hier in Blog. Vermutlich haben wir uns Sonntag mittag sowieso alle in Zombies mit Schlafentzug verwandelt …

“Zu Ehren” der Tagung hier noch ein kleiner Cartoon, den ich mit der Formel “Denken macht Durst” zusammenfassen würde …. Das Bildchen stammt zwar aus einem anderen Kontext, passt aber trotzdem (oder sollte ich - in Einstimmung auf den Tagungs-Talk - eher: “ist multikontextuell einsetzbar” sagen?)

scientificmethod_web1.jpg

Gut, OK: in unserem Fall statt “Bier” wohl eher “Sekt” … Aber im Prinzip stimmt´s so!


Sonntag, 22. Oktober 2006

Webschnipsel: blessed-bandwith.net

Kleiner Online-Segen gefällig? Wahlweise auf hinduistischen, buddhistischen oder christlichern Webseiten?! Dann nix wie los zu blessed-bandwidth.net (“Get blessed for instant peace and happiness”), einem Projekt der indischen Künstlerin Shilpa Gupta.

In this work, Gupta explores religion, globalisation and the complex cultural and political dynamics of the internet. (…) The work is in part about the similarities, rather than differences, that exist between different religions.

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Dienstag, 17. Oktober 2006

Web-Schnipsel: Consumer Report - Which Religion is the Best?

Hier ein nicht ganz ernst gemeinter Consumer Report (des Fade to Black Comedy Magazine) zum Thema “Which religion is the best?”

Man nehme einige Mitglieder eines brasilianischen Stammes aus dem Amazonas-Regenwald, konfrontiere sie mit dem Schuld-Sühne-Konzept, den Postmortalitätsvorstellungen und der Ritualistik von Katholizismus, Christentum (sic!), Buddhismus, Islam, Judentum, Atheismus, Hinduismus und Satanismus, lasse sie je 4 Wochen testen — und schaue, wofür sie sich letztlich entscheiden.
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*gefakter holländischem akzent ON*

“Na, liebe Eingeborene — welche der 8 Kandidaten soll Ihr Herzblatt sein?!”

*OFF*
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Das detaillierte Ergebnis gibt´s hier. - Es soll ja noch ein bisschen spannend bleiben …



Nachspann und anderes Blabla

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