Dienstag, 8. April 2008
Trauerrituale 2.0. - Gräber mit Barcode?
Dass das Internet mit seinen unterschiedlichen Anwendungsmöglichkeiten zunehmend unser Leben durchzieht, ist eine vielzitierte Binsenweisheit. Der Einfluss moderner Internettechnologie auf Tod und Trauerrituale ist jedoch vielleicht nicht ganz so bekannt. Dabei gibt es da Einiges und das z.T. schon recht lange!
So berichtete Spiegel Online im Dezember 2004 von pakistanischen Schiiten, die bereits seit 2001 per Webcam die Gräber ihrer Liebsten besuchen können. - Immer und von überall aus. Und offenbar mit dem Segen muslimischer Geistlicher. “Die Scharia erlaubt das Zitieren von Gebeten im Internet zur Freude der Seelen der Verstorbenen”, sagt der Geistliche Shabbar Hussain Zaidi (laut Spiegel Online).
“Internetfriedhöfe” (meist als statische Webseiten realisiert), mit deren Hilfe Hinterbliebene virtuelle Gedenkstätten errichten können, finden sich zur Genüge und in allen Formen und Farben (und technischem Niveau), wie eine Google-Suche nach dem Begriffspaar “Internet” und “Friedhof” deutlich zeigt.
Sogar die “Social Networking-Generation” hat mit MyDeathSpace und YourDeathSpace Pendants zu MySpace geschaffen, auf dem die Profile verblichener Nutzer gelistet werden. - Einschließlich Todestag und Todesursache sowie der Möglichkeit zum Kondolieren. (Ein recht interessantes Interview mit Mike Patterson, dem Gründer von MyDeathSpace gibt es in einem Artikel von campusweb.de vom 02.02.2008.)
Auch die Dynamik bei der Errichtung und Nutzung von virtuellen Gedenkstätten lässt sich im Internet deutlich nachzeichnen. So gab es beispielsweise bereits wenige Stunden nach dem Amoklauf auf dem Campus der Virgina Tech University am 16.04.2007 erste Gedenkstätten in der virtuellen Welt von “Second Life”, die dann nach und nach ausgebaut wurden, wie Kerstin Radde-Antweiler in einem Artikel über die religiöse und rituelle Topographie in Second Life zeigt.
Die allerneueste Entwicklung im Bezug auf “Trauerrituale 2.0″ kommt allerdings (wieder einmal) aus Japan. Wie Spiegel Online vom 29.04. diesen Jahres berichtet, bietet das japanische Bestattungsinstitut Ishinokoe seit kurzem Grabsteine mit einer Art integriertem Barcode an, der die Mobiltelefone der Hinterbliebenen mit einem virtuellen Trauerprofil der Verstorbenen verbindet. Neben Texten, Bildern und Videos können sich die Trauernden auch miteinander austauschen. - Der Verstorbene erhält “posthum so etwas wie ein MySpace-Profil”, so Spiegel Online.
Der japanische Vorstoss hat etwas von “MyDeathSpace IRL”, gewissermaßen.
Irgendwie glaube ich allerdings nicht, dass so die Zukunft der Trauerkultur aussieht … Aber man darf gespannt sein …








