Dienstag, 1. April 2008
Zen für Hunde?
Das Bild und die Meldung ging durch die gesamte Presse: Der Chihuahua “Conan” des buddhistischen Zen-Priesters Yoshikuni Joei im zenbuddhistischen Shuri Kannon-dô Tempel in Naha (Okinawa / Japan) ahmt sein Herrchen bei seinen täglichen Gebetsübungen nach, indem er sich auf die Hinterbeine aufrichtet und die Vorderpfoten zusammenlegt (hier ein Bild aus dem Guardian).
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Laut Presseberichten soll sich das Tier die Übung selbst beigebracht haben. Selbst gelernt oder antrainiert - der “betende Hund” hat es zu Berühmtheit gebracht und zieht Touristenströme an: Rund 30% mehr Menschen besuchen den Tempel , so Yoshikuni (laut France 24).
Kein Wunder: Ein Hund, der mit seinem Herrchen (scheinbar) unisono ins Gebet versunken ist, ist sicherlich ein ungewöhnlicher und interessanter Anblick!
Dieses Phänomen erinnert mich stark an einige Thesen der Religionswissenschaftlerin Inken Prohl zu japanischem Zen-Buddhismus und der Bedeutung von Religionsästhetik, die sie bei Vortrags im Rahmen einer Ringvorlesung des SFB Ritualdynamik im Januar 2005 in Heidelberg formulierte.*
Sie sagte sinngemäß, dass der Erfolg des japanischen Zen-Buddhismus unter anderem in seiner ästhetischen Wirkung als Gesamtkunstwerk begründet liege. Die öffentlichen Sitzübungen der Mönche seien für die Zuschauer ein “Fest der Sinne” und konstituierten “Kultensembles”, die sich deutlich von anderen Wahrnehmungsmustern abgrenzten. Symmetrie und Synchronizität durch perfekte Körperbeherrschung seien bei diesen Ritualperformanzen dominant, zazen (“rituelles Sitzen”, auf Deutsch meist fälschlicherweise “Zen-’Meditation’”) verleihe (so Prohl weiter) den Priestern deshalb in erster Linie den Habitus des überlegenen religiösen Spezialisten und somit religiöse Autorität und den Ritualen Gültigkeit.
In einfachen Worten ausgedrückt bedeutet das, dass die Zuschauer den Priestern durch und aufgrund des ästhetischen Gesamteindrucks der Perfektion religiöse Autorität und Macht zuschreiben. Und wenn sogar ein *Hund* die Übungen perfekt beherrscht und den sitzenden Buddha nachahmt, dann *muss* ja am Zen-Buddhismus etwas dran sein. Oder?
A propos Religionsästhetik: Am 17. und 18. Mai findet in Heidelberg die 2. Tagung des DVRW-Arbeitskreises Religionsästhetik statt, auf der Fragen nach der Bedeutung von Ästhetik als Zugang religionswissenschaftlicher Analyseinstrument thematisiert wird. Wird sicherlich sehr spannend.
* Die genannten Thesen entstammen meiner Mitschrift von Inken Prohls Vortrag, der (soweit ich weiß) bislang nicht veröffentlicht ist. Zu Ästhetik und Zen in Deutschland gibt es jedoch eine Veröffentlichung, in der einige der genannten Punkte angeschnitten werden: Prohl, I.: “Zur methodischen Umsetzung religionsästhetischer Fragestellungen am Beispiel zen-buddistischer Praxis in Deutschland”. In: Münchener Theologische Zeitschrift 1, 2004, S. 291-299.







