Dienstag, 8. Mai 2007
Wider den religiösen Analphabetismus (in den USA)
Stephen Prothero, *der* US-amerikanische Religionswissenschaftler mit der (vermutlich) größten Medienpräsenz hat es wieder getan! Nach “American Jesus: How the Son of God Became a National Icon” und “A Nation of Religions: The Politics of Pluralism in Multireligious America ” erschien im März diesen Jahres sein neuestes Buch und bislang größter publizistischer Erfolg “Religious Literacy: What Every American Needs to Know–And Doesn’t “, das er medienwirksam zu vermarkten versteht.
Der Leiter des Religionswissenschaftlichen Lehrstuhls der Boston University bezeichnet seine Landsleute (laut einem nicht unkritischen Artikel der NZZ vom 1. April) als “religiöse Analphabeten” und beklagt, dass sich zwar rund 90% der US-Bürger als (christlich?) religiös bezeichnen, jedoch kaum mit der Bibel (oder anderen Religionen) vertraut seien und deshalb in seinem Land “Glaube ohne Wissen” vorherrsche.
Ein paar Highlights aus dem NZZ-Artikel, der aus dem genannten Bestseller zitiert:
Noah, der biblische Archen-Kapitän, hatte eine französische Frau. Die hiess Jeanne d’Arc, oder wie man in den USA sagt: Joan of Arc. Das tönt wie «Arche», und vielleicht glauben deshalb zehn Prozent der Amerikaner, dass Noah mit der Jungfrau von Orleans verheiratet war. Fast zwei Drittel der US-Bürger können nicht einmal die Hälfte der Zehn Gebote nennen und kaum 50 Prozent auch nur einen der vier Evangelisten. Einer gewissen Komik entbehrt auch nicht die Tatsache, dass jeder zweite amerikanische Oberschüler Sodom und Gomorrha für ein Ehepaar hält.
Am End seines neuesten Buchs “Religious Literacy” findet sich ein Glaubensquiz zum Selbsttest, das Prothero, der unter anderem für einen multireligiösen Religionsunterricht in US-amerikanischen Schulen eintritt, auch unter seinen Studierenden zum Abfragen religiösen Grundwissens einsetzt - mit meist deprimierendem Ergebnis, wie die NZZ weiß.
Und weil jetzt bald Pfingsten ist und wir uns alle unserer abendländisch-christlichen Wurzeln besinnen wollen / sollen / können / dürfen, hier das Quiz zum Selbermachen einmal auf Englisch und unten einmal die Version der NZZ auf Deutsch (Achtung! Hier sind Frage und Lösung nicht getrennt, deshalb ist diese Version nicht so gut zum Selbsttest geeignet!).
Ich sag´ jetzt mal nicht, wieviele Punkte ich erreicht habe — nur so viel: für einen erklärten “Heiden” war ich gar nicht so übel! :)








on Montag, 31. März 2008 um 17:04:
Toller Artikel! Und eine wunderbare Gelegenheit, einer Mit-Religionswissenschaftlerin ein herzliches “Hallo!” zuzurufen!
Willkommen auf meiner Blogroll und diesen Artikel hier werde ich in den kommenden Wochen auch mal meinen Lesern extra empfehlen.
Herzliche Grüße!
Michael
on Dienstag, 1. April 2008 um 08:43:
Hallo!
Danke schön!
:)
Vielleicht kriegen wir ja auf diesem Wege einen Autausch der bloggenden Religionswissenschaftler hin? So viele sind es ja (im deutschsprachigen Bereich) (leider) nicht!
Gruß
Simone