Samstag, 31. März 2007

GodTube - "Was würde Jesus herunterladen"?

Wir alle kennen YouTube - die derzeit größte “video sharing”-Plattform, gegründet im Februar 2005 und seit Oktober 2006 fest in Google-Hand. Und so einflussreich, dass sogar renommierte Medienkunst-Journale wie bittekunst.de (“Journal für Netzkunst, Videokunst und Kreatives”) über dessen ästhetischen Einfluss schreiben.

Aber einen kleinen Schönheitsfehler hat die populäre Filmchen-Börse (jedenfalls für [konservative] Christen: Sie ist *heidnisch*. Genau wie Wikipedia (wie bereits am 6. März in Kampf der Lexika(?) thematisiert). Und ebenso wie bei der Online-Enzyklopädie gibt es auch hier eine christliche Alternative. Sie heisst GodTube (“Broadcast Him”). Hier geht es nur um das Eine: die Verbreitung des Wort Gottes.

Die Süddeutsche vom 23.03. schreibt dazu:

Der Erfinder des Gottesvideo-Portals, Chris Wyatt, hat 1999 die Kirche und den Glauben für sich entdeckt. In der Vergangenheit hat Wyatt bereits an mehreren religiösen Projekten mitgearbeitet, unter anderem an einer christlichen Version von Netflix, einer Internet-Videothek. Mit keinem war er besonders erfolgreich, GodTube verspricht jetzt ein Hit zu werden.Für 400 Dollar soll er sich die Domain gesichert haben, angeblich besuchen täglich zwischen 50.000 und 60.000 Menschen seine Seite. Und das, obwohl sie noch nicht einmal offiziell gestartet ist, sondern seit Januar in einer Beta-Testphase läuft.

Das Portal scheint sich selbst dann doch nicht soooo ernst zu nehmen (eine sympathische wenn auch fast schon erstaunliche Ausnahme, denkt man an die christlich-konservativen Wikipedia-Klone!), trotz des leicht evangelikal angehauchten “Mission Statement”, das die missionarischen Ziele des Projekts unterstreicht . Oder wie kreationistische und anti-darwinistische Beiträge wie “Is the Bible true?” (vorsicht, rund 30 Minuten lang!) vermuten lassen.

Kleine Kostprobe einer der humorigen Beiträge von GodTube gefällig? *Klick!* (“Baby got Book”)

Hierzu schreibt die Süddeutsche:

Grandios beispielsweise die umgetextete Version des Rap-Songs “Baby got back” (etwa: Mädchen mit dickem Hintern) von Sir Mix-a-lot. Im Lied “Baby got book” rappt Dan Smith davon, wie sehr er auf “dicke Bibeln” steht. Um den Hals hat er dabei eine Kette mit den großen goldenen Lettern KJV, der Abkürzung für “King James Version of the Bible”, einer Übersetzung der heiligen Schrift aus dem 17. Jahrhundert.

Der Erfolg der Plattform mit rund 600.000 monatlichen Besuchern und fast 5,7 Millionen hits (hier noch ein paar mehr Statistiken) scheint dem GodTube-Gründer, der hauptberuflich bei einer christlichen Marketing-Agentur tätig sein soll, rechtzugeben: Ursprünglich wollte er (so die Süddeutsche) “seinen Klienten, hauptsächlich Leiter von Kirchen und Ministerien, die Möglichkeiten des Internets nahe bringen. Diese wären Technik gegenüber misstrauisch und voreingenommen”.

Das ist ja schön! Immer weiter so! Bei GodTube findet sich bestimmt noch sehr viel mehr “Futter” für diesen Blog! (Danke für den Tipp und den Artikel, N.!)

» Abgelegt unter Web-Schnipsel, Humor, Christentum, Populärkultur von omsein um 10:21.

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