Dienstag, 14. November 2006

"Kids on Fire" Vol. 2

Zwar ist es derzeit v.a. der Dokumentarfilm “Jesus Camp”, der Wellen schlägt - doch auch anderswo wird zu evangelikalen Jugendbewegungen geforscht und geschrieben.

Nur ein weiteres Beispiel, was Telepolis in seinem Artikel “Christliche Fanatiker auf dem Vormarsch” thematisiert, ist das Buch “Righteous. Dispatches from the Evangelical Youth Movement (New York, 2006) der US-Journalistin Lauren Sandler.

Auch sie glaubt, dass es die neuen Evangelikalen eine fundamental-christliche Revolution in den USA wollen, sie ergänzt aber das Bild von Becky Fischer und ihrer Armee aus jugendlichen Gotteskriegern um eine weitere Facette. Nicht nur die Militanz und die Jugendlichkeit der Bewegung machen sie sprachlos, sondern auch die subkulturelle Variationsbreite, in der sie auftritt.

Ob einer Skater, Punk, bis über beide Ohren tätowiert ist - das spielt keine Rolle; was allein zählt, ist die Hinwendung zu “Jesus” und einer möglichst wörtlichen Auslegung der Bibel, als dem Buch, das alle Fragen beantwortet. Für jede säkulare Jugendbewegung steht eine christliche Variante zur Verfügung; Sandler spricht in diesem Zusammenhang von einer “Spiegelwelt. (Telepolis)

Die bekennende Atheistin, die durch den Auftrag eine Serie über Religionen in Amerika zu machen, auf evangelikale Jugendgruppen stieß, berichtet in Publishers Weekly von einer gewissen Faszination, die das Thema mehr und mehr für sie ausmachte:

“The people I met showed me that the need for what they have—the rigid structure of the lifestyle, the intense community—is deep among this generation,” said Sandler. “They want an alternative to mainstream culture, and they believe they are the true radicals out there. So Christianity spreads by being cool.”

Dies meisten der jungen Christen, denen sie begegnete, sahen sich - laut Telepolis - als “Rebellen gegen n gegen einen verderbten und verworfenen Status Quo, ihre Wissenschafts- und Vernunftsfeindlichkeit (insbesondere gegen die Evolutionslehre gerichtet) kommt antiautoritär daher.” So wird fundamentalistisches Christentum zu Identifikationsfolie und Anker einer Generation(?) - wie in den 1960er Jahren die Anti-Vietnam-Bewegung. (Publishers Weekly)

Aus einem Excerpt des Buches:

Within this movement lies something as old as America itself, and as terrifying and alluring as anything Orwell predicted; something that is at once political, emotional, deeply anti-intellectual, and more galvanized than you can imagine. I call this population of fierce young evangelicals the Disciple Generation.

Ist dieses Phänomen auf die USA beschränkt (was man - dank aktueller Berichterstattung - fast zu glauben [und/oder zu hoffen] wagt?) Oder gibt es diese “Disciple Generation” bereits in Deutschland und Europa?

Auch hierzulande sind charismatische Bewegungen auf dem Vormarsch (so scheint es). Für Wissenschaftler, die sich mit europäische Religionsgeschichte und (Haha!) Individualreligiosität beschäftigen, kann es also die nächsten Jahre spannend werden …! ;)

Vielleicht bedeutet es sogar — neue Jobs für uns! (OK. Vermutlich nicht. Aber träumen darf sogar ein zukünftig arbeitsloser Religionswissenschaftler …)

» Abgelegt unter Presse, USA, Christentum, Wissenschaftsdiskurs, Individualreligiosität? von omsein um 6:44.

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