Donnerstag, 26. Oktober 2006
Jauchzet und frohlocket …
… die “Bibel in gerechter Sprache” ist da!
Fünf Jahre lang arbeiteten 42 Frauen und 10 Männern daran, die Bibel “weiblicher” und “jüdischer” zu machen, so berichtet die Online-Ausgabe des Spiegel vom 25. Oktober. Das Werk erschien kürzlich im Gütersloher Verlagshaus (und mir ist auch so, als hätte ich kürzlich einen Werbeflyer dafür in der Hand gehabt). Dort gibt es auch einen Zusatzband, der die Grundlagen der Neuübersetzung klärt.
Die Frage, ob die Bibel durch die Neuübersetzung und -interpretation auch (sozial- und kulturhistorisch) “korrekter” wird, beantwortet die Mitherausgeberin Claudia Janssen, PD und theologische Referentin der Evangelischen Frauenarbeit in Frankfurt, wie folgt:
Wir haben die historische Beweislast umgekehrt. Wir schreiben nur an den Stellen die maskuline Form, an denen definitiv beweisbar ist, dass Frauen nicht anwesend waren. Frauen waren damals in allen Bereichen der Gesellschaft vertreten, wie sozialgeschichtliche Zeugnisse zeigen. In alten Kaufverträgen zum Beispiel tauchen immer wieder Handwerkerinnen auf. 95 Prozent der Gesellschaft waren schlichtweg zu arm, um eine Rollenverteilung zu leben, in der die Frau aufs Private reduziert wurde. Wir dürfen uns da nicht von Cicero und anderer Literatur der antiken Oberschicht täuschen lassen.
Auch der traditionell nicht eben als “Frauenversteher” bekannte Paulus spricht plötzlich politisch korrekt von “Geschwistern”, wenn er in seinen Briefen Gemeindemitglieder anspricht. Und die verwendeten Gottesnamen (“die Lebendige”, “die Ewige”, “Gott”, “Adonaj”, “Sie”, “Er”, “Du”, “der Heilige”, …) atmen ebenenso ein wenig den Hauch der …. Moderne? Oder ist Feminismus schon wieder “out”?
Ob die neue Übersetzung nun sachlich und wörtlich richtig(er) ist, oder nicht, kann ich bedauerlicherweise nicht beurteilen. (Da habe ich dann doch wohl das Falsche studiert.) Was ich (völlig unprofessionell) sagen kann: Der neue Text klingt sehr fremd! (Wir sind eben doch alle von der Luther-Bibel geprägt - und mag sie noch so viele Schwächen haben). Bleibt abzuwarten, inwieweit sich die “gerechte” Bibel durchsetzen wird … (Wetten werden noch angenommen! ;))
Abschließend zwei kleine Textproben: Zunächst die Neuauflage des “Vater unser” (Matthäus 5, 9-13)
So also betet.
Du, Gott, bist uns Vater und Mutter im Himmel,
dein Name werde geheiligt.
Deine gerechte Welt komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf der Erde.
Das Brot, das wir brauchen,
gib uns heute.
Erlass uns unsere Schulden,
wie auch wir denen vergeben,
die uns etwas schuldig sind.
Führe uns nicht zum Verrat an dir,
sondern löse uns aus dem Bösen.
… und dann noch ein kleiner Auszug aus Genesis 3, 1-5:
Die Schlange hatte weniger an, aber mehr drauf als alle anderen Tiere des Feldes, die Adonaj, also Gott, gemacht hatte. Sie sagte zu der Frau: “Also wirklich - hat Gott etwa gesagt: ‘Ihr dürft von allen Bäumen des Gartens nichts essen’?” Da sagte die Frau zur Schlange: “Von den Früchten der Bäume im Garten können wir essen. Nur von der Frucht des Baumes in der Mitte des Gartens hat Gott gesagt: ‘Esst nicht von ihr und rührt sie nicht an, damit ihr nicht sterbt.” Die Schlange sagte zu der Frau: “Ganz bestimmt werdet ihr nicht sterben. Vielmehr weiß Gott genau, dass an dem Tag, an dem ihr davon esst, eure Augen geöffnet und ihr so wie Gott sein werdet, wissend um gut und böse.”Da sah die Frau, dass es gut wäre, von dem Baum zu essen, dass er eine Lust war für die Augen, begehrenswert war der Baum, weil er klug und erfolgreich machte. Sie nahm von seiner Frucht und aß.
“Die Schlange hatte weniger an, aber mehr drauf als alle anderen Tiere des Feldes (…)” - Ach herrje! Also ich weiß nicht …








on Donnerstag, 26. Oktober 2006 um 07:25:
Die Sache mit der Schlange könnte ja vielleicht auch so übersetzt werden:
“Die Schlange war eine coole Schlampe.”
;-)