Montag, 28. August 2006

"Gott schütze Oliver Stone!"

Heute, am 28.9. ist Deutschland-Start, in den USA lief er bereits am 9. August an: Oliver Stones 9/11-Drama “World Trade Center”.

Der Streifen zeigt die Geschichte der Terroranschläge aus der individuellen Perspektive zweier Polizisten, die den Einsturz der Türme in New York nur knapp überlebten. Die beiden waren beim Dreh angeblich fast die ganze Zeit über dabei, wie beispielsweise der Wikipedia-Eintrag zum Film berichtet.

Die Urteile über den Film fallen erwartungsgemäß zwiespältig aus. “Nicht alle Kinobesucher werden sich mit Hollywoods Heldengeschichte anfreunden können, mit ihrer dramatischen Musik und Jesus, der als Vision ziemlich leibhaftig im Lichterkranz auf der Leinwand erscheint. In New York wird man sowieso noch genauer hinschauen. Denn hier, wo das World Trade Center gestanden hat, ist man sich nicht einig, ob die Zeit reif ist für Filme über den 11. September.” So schreibt etwa tagesschau.de auf ihren Webseiten. Auch Angehörigen-Verbände äußerten heftige Kritik, wie der Spiegel anmerkt.

Ungeteilte Begeisterung schlägt dem über 2 Stunden dauernden Streifen hingegen offenbar aus dem konservativen christlichen Lager entgegen. Die taz berichtet hierzu:

Man hat Oliver Stone schon viele Dinge nachgesagt, aber bestimmt noch nicht, dass er ein guter Patriot sei. Doch der alt-linke Regisseur wird sich wohl an das Label gewöhnen müssen. Sein 9/11-Drama “World Trade Center”, das gestern in den USA und Kanada angelaufen ist, gefällt nämlich der konservativen Rechten besser, als dies Stone lieb sein dürfte. Der Film, urteilte etwa der rechte Fox-News-Kolumnist Cal Thomas, sei einer der größten “Gott-schütze-Amerika-Filme, die es je gab”.

Stone wollte nach eigenen Angaben einen unpolitischen Film machen. “Es ist ein Film über jedermann, überall, ob es in der U-Bahn von Madrid ist oder in einem Erdbeben oder einem Tsunami. Sein Thema ist das Gefühl, in der Falle zu sitzen und dem Tod ins Auge zu schauen.” (So zitiert ihn die taz.)

Das war wohl im gegenwärtigen US-amerikanischen Klima wohl etwas naiv und wird ihn von einer rechtskonservativen Vereinnahmung nicht schützen. Stone wurde kurzerhand zum Patrioten erhoben. Um es mit den Worten von Kathryn Jean Lopez von der National Review zu sagen, die sich darüber freut, dass sich der Film im Gegensatz zu Paul Greengrass’ “United 93″ nicht um die Terroristen, sondern alleine um die Amerikaner, um “die Guten” kümmere: “Gott schütze Oliver Stone!” (Ebenfalls taz.)

» Abgelegt unter USA, Christentum, Populärkultur von omsein um 7:23.

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1 Kommentar
zu "Gott schütze Oliver Stone!"

  1. Anonymous

    on Montag, 28. August 2006 um 20:08:

    Yay, S. bloggt wieder!
    Liebe Grüße von L. aus G. in S. :)

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